Am 27. Mai 2026 merkten tausende Nutzer von EVCC und der Home-Assistant-Integration homeassistant-volkswagencarnet: ihre Ladesteuerung ist offline. VW hat die Authentifizierung seiner Fahrzeug-API auf ein Verfahren namens „Client Assertion“ umgestellt — einen kryptografischen Nachweis, der ausschließlich in offiziell approbierten VW-Apps auf ungerooteten Smartphones eingebettet ist. Open-Source-Projekte bekommen diesen Schlüssel nicht, zumindest nicht ohne formale kostenpflichtige Partnerschaft mit VW Group Info Services. Angekündigt hatte VW die Änderung im April schlicht als „Übergang zu Schnittstellen der nächsten Generation“.
Was EVCC und Home Assistant hier eigentlich geleistet haben
EVCC ist quelloffene Energiemanagement-Software, die Wallboxen an PV-Ertrag, Netztarife und Fahrzeugakkustand koppelt — herstellerübergreifend, ohne Cloud-Pflicht, auf eigener Hardware. Wer seinen VW ID.3 oder Audi e-tron damit verwaltet hat, konnte Ladezeiten automatisch in günstige Tarifffenster schieben oder überschüssigen Solarstrom direkt ins Fahrzeug leiten. Die Home-Assistant-Integration lieferte dafür Echtzeitdaten für Automationsregeln im Heimnetz. Betroffen sind außer VW auch Audi, Cupra und Škoda — allesamt Konzernmarken.
Einige Entwickler haben auf GitHub bereits Workaround-Methoden dokumentiert, die die Authentifizierung simulieren. Wie stabil die sind, ist offen. Ich habe einen Kunden, der seit Herbst 2025 seine Wallbox mit EVCC und einer frisch installierten PV-Anlage betreibt — der steht jetzt mit einer Ladesteuerung da, die keinen Kontakt mehr zum Fahrzeug bekommt, das er selbst bezahlt hat.
EU Data Act — Recht auf eigene Daten, Deadline im September
Die EU-Verordnung 2023/2854 — der EU Data Act — verpflichtet Hersteller vernetzter Geräte ab dem 12. September 2026, Nutzern freien und selbstbestimmten Zugang zu ihren eigenen Daten zu gewährleisten. Das gilt ausdrücklich auch für Fahrzeuge. Bis dahin haben Hersteller formal noch Spielraum — und VW nutzt ihn gerade.
Als Übergangslösung bietet VW Daten auf Anfrage an: bereitgestellt „innerhalb von 24 Stunden“ als ZIP-Archiv. — Für eine Ladeautomatisierung, die in Echtzeit auf PV-Ertrag und Netzfrequenz reagieren soll, ist ein Tages-ZIP ungefähr so nützlich wie ein gedruckter Stadtplan beim GPS-Navigieren. BMW hat mit dem CarData-Portal bereits einen anderen Weg gewählt: Drittdienste bekommen dort mit Nutzerzustimmung strukturierten Datenzugriff, ohne Partnerschaftspflicht für jeden Einzelfall. Dass es anders geht, ist also bekannt.
Die EVCC-Community hat eine Change.org-Petition gestartet, die VW zur Öffnung einer EU-Data-Act-konformen Schnittstelle auch für unabhängige Entwickler auffordert. Was die „nächste Generation“ für Open-Source-Projekte konkret bedeutet, hat VW nicht mitgeteilt — drei Monate vor dem September-Termin, zu dem der Konzern das ohnehin tun müsste. Ob die dann folgende Schnittstelle wirklich offen ist oder nur offiziell zertifiziert: das werden EVCC-Nutzer früh genug merken.


