Ammar Askar, Sicherheitsforscher, hat heute eine Zero-Day-Lücke in github.dev veröffentlicht — ohne laufenden Patch von Microsoft, ohne zugewiesene CVE-Nummer, dafür mit fertigem Proof-of-Concept-Code. Ein manipulierter Link reicht, um das OAuth-Token des Opfers zu kapern und damit Zugriff auf alle erreichbaren GitHub-Repositories zu bekommen. Kein Patch, keine Stellungnahme — bei Microsoft-Security-Meldungen kein ganz unbekanntes Bild.
Ein Klick, ein Token, alle Repos
github.dev ist die browserbasierte VS-Code-Variante: Repository öffnen, Code direkt bearbeiten, commiten — ohne lokale Installation. Dafür übergibt github.com beim Aufruf ein OAuth-Token an github.dev, das im Browser gecacht bleibt. Askar zeigt, dass Skripte in VS-Code-Webviews auf dieses Token zugreifen können. Der Angriffspfad: manipulierter Link → github.dev öffnet sich → böswillige Extension wird installiert → Token extrahiert und an externe Infrastruktur übermittelt.
Der Token-Scope macht die Sache brisant: Er ist nicht auf das aktuell geöffnete Repository begrenzt. Laut Askar — bislang nur von BleepingComputer berichtet — deckt er alle Repositories ab, auf die das Konto Zugriff hat, private und Organisations-Repos eingeschlossen.
Disclosure ohne Absprache — und keine Antwort von Microsoft
Askar hat GitHub eine Stunde vor der Veröffentlichung informiert, aber keinen koordinierten Meldeprozess angestoßen. Er begründet das mit negativen Erfahrungen bei früheren Microsoft-Sicherheitsmeldungen. Full Disclosure ohne ausreichende Vorlaufzeit ist in der Security-Community ein Reizthema: Nutzer stehen sofort unter Zugzwang, Microsoft ebenso — ohne dass ein Fix bereitsteht.
Wer github.dev im Unternehmensumfeld einsetzt — etwa für externe Code-Reviews, Onboarding neuer Entwickler oder Browser-Hotfixes von unterwegs — für den ist die Sofortmaßnahme bis zu einem offiziellen Patch keine Option, sondern Pflicht.
Was jetzt hilft — und was nicht
Die einzige derzeit verfügbare Schutzmaßnahme: im Browser Cookies und lokale Websitedaten für github.dev löschen. Das entkräftet das gecachte Token; der nächste Aufruf erzwingt eine neue Authentifizierung, sodass kein stilles Token-Abruf mehr möglich ist. Wer die Plattform nicht braucht, kann die Domain im Browser blockieren.
Ein Patch von Microsoft existiert nicht. Askar hat Proof-of-Concept-Code öffentlich gemacht — das verkürzt die Reaktionszeit auf Hersteller-Seite erfahrungsgemäß erheblich. Garantien gibt es keine.


