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Steam Deck OLED bei 779 Euro: Valve verkauft 2022er-Leistung zum 2026er-Preis

Valve hat das Steam Deck OLED zurück ins Sortiment genommen — für 779 statt 569 Euro. Das sind 37 Prozent mehr als beim OLED-Launch 2023, ohne dass das Gerät schneller geworden wäre. Was die DRAM-Krise damit zu tun hat, und warum Konkurrenten wie das ROG Xbox Ally X jetzt die bessere Wahl sind.

Steam Deck OLED Handheld-Gaming-PC von Valve, Frontansicht mit eingeschaltetem Display
Bild: Valve

Valve hat das Steam Deck OLED zurück ins Sortiment genommen — aber zu Preisen, die sich gegen den Hersteller selbst stellen. Die 512-GB-Variante kostet jetzt 779 Euro, die 1-TB-Version 919 Euro. Damit liegt das OLED-Modell 37 Prozent über seinem eigenen Launch-Preis von 569 Euro (2023); gegenüber dem allerersten Steam-Deck-Einstieg, dem LCD-Modell für 419 Euro (2022), sind es sogar 86 Prozent. Wer in dieser Preisklasse einkauft, bekommt von der Konkurrenz inzwischen Geräte, die für weniger Geld die doppelten Frames liefern.

Wenn der Arbeitsspeicher die Welt regiert

Der Auslöser für den Preissprung steht in Valves Mitteilung selbst: die DRAM-Krise. Samsung, SK Hynix und Micron — zusammen über 90 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion — haben ihre Kapazitäten massiv auf HBM-Speicher für KI-Beschleuniger umgeschichtet. TrendForce rechnet im ersten Quartal 2026 mit DRAM-Preissteigerungen um 90 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal, NAND-Flash legt parallel um bis zu 60 Prozent zu. Entspannung wird vor 2027 nicht erwartet, manche Analysten sprechen sogar von 2028 oder 2029.

Bei einem Bestandskunden lag im Februar das Angebot für eine simple Speicheraufstockung um 64 GB DDR4-ECC-RAM höher als die Komplett-Aufrüstung desselben Servers ein Jahr zuvor. Speicher kostet 2026 Phantasiebeträge — und genau dieser Effekt zieht sich von Rechenzentrums-RAM bis hinunter in einen Gaming-Handheld mit fest verlöteten 16 GB LPDDR5. Valve hat die Preise nicht aus Spaß angehoben; bei einem Gerät, dessen Bauteilkosten so stark vom Speicher dominiert werden, gibt es zur Weitergabe wenig Alternativen.

Das ändert aber nichts daran, dass das Gerät technisch im Februar 2022 stehen geblieben ist. Der Chip im Steam Deck OLED ist derselbe wie im Ur-Steam-Deck: AMDs Custom-APU mit Zen-2-CPU-Kernen und acht RDNA-2-Compute-Units. Die OLED-Variante brachte 2023 ein helleres 90-Hz-Display, längere Akkulaufzeit und einen feineren Touchscreen — die Rechenleistung blieb unangetastet. Wer heute 779 Euro überweist, kauft eine Vier-Jahre-alte Hardware-Plattform zum Premium-Preis.

Was 779 Euro 2026 sonst noch kaufen

Spannend wird der neue Preis durch die Konkurrenz. Das Asus ROG Xbox Ally liegt im Handel bei rund 589 Euro — mit AMDs Ryzen Z2 A, dessen Leistung etwa auf Steam-Deck-Niveau liegt, dazu aber einem 60-Wh-Akku und einem 120-Hz-Display mit 1080p. Wer SteamOS bevorzugt, findet das Lenovo Legion Go S mit Ryzen Z2 Go ab 539 Euro, die Variante mit dem deutlich potenteren Ryzen Z1 Extreme ab 719 Euro. Drei Geräte, alle günstiger als das Steam Deck OLED, alle entweder mit besserem Display, größerem Akku oder mehr Rechenleistung.

Richtig unangenehm wird der Vergleich bei der 1-TB-Version. Für 919 Euro Steam Deck OLED steht das Asus ROG Xbox Ally X für 899 Euro gegenüber — Ryzen AI Z2 Extreme mit acht Zen-5-Kernen, AMD Radeon 890M mit 16 RDNA-3+-Compute-Units, 24 GB RAM, 1 TB SSD, 80-Wh-Akku und sogar Thunderbolt 4. In Cyberpunk 2077 bei 1080p Low erreicht das Ally X laut Notebookcheck-Messungen rund 50 fps, das Steam Deck OLED hängt bei 25. Doppelte Leistung, mehr Speicher, größerer Akku — für 20 Euro weniger.

Was bleibt — SteamOS und der Rest

Es wäre unfair, das Steam Deck nur über fps zu bewerten. Valve hat mit SteamOS auf Linux-Basis ein Handheld-Betriebssystem gebaut, das beim Anschalten direkt im Spielmodus landet — kein Windows-Boot, kein Treiber-Tanz, kein Update-Roulette mitten in der Bahnfahrt. Proton lässt mittlerweile den überwiegenden Teil der Windows-Spielebibliothek laufen, der Suspend-Resume-Mechanismus ist sauber gelöst, das Ökosystem in Steam tief integriert. Wer schon mal versucht hat, einen Windows-Handheld mit Touchscreen-Bedienung benutzbar zu konfigurieren, weiß, wo Valves Mehrwert wirklich liegt.

Genau diesen Mehrwert holt die Konkurrenz aber gerade ein. Lenovo bietet das Legion Go S inzwischen offiziell mit SteamOS an, womit der größte Vorteil des Steam Deck — die nahtlose Software-Integration — auf einem deutlich schnelleren Chip verfügbar wird. Auf der Windows-Seite hat Microsoft mit dem ROG Xbox Ally die Xbox-Fullscreen-Experience etabliert, die zumindest in die Richtung eines konsolenartigen Erlebnisses zielt. Die Software-Lücke wird kleiner, die Leistungs-Lücke größer.

Mich überzeugt das Argument für das Steam Deck OLED zum aktuellen Preis nicht mehr. Bei 569 Euro war das Gerät eine vernünftige Empfehlung für alle, denen das Ökosystem wichtiger war als die letzten Frames. Bei 779 Euro wird daraus eine Treue-Kaufentscheidung — Liebe zu SteamOS und zum Hardware-Design, nicht zum Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer jetzt einsteigen will, wartet entweder die Speicherkrise ab oder schaut sich die Lenovo-Variante mit SteamOS an. Und wer schon ein Steam Deck OLED hat, weiß ohnehin, dass das Gerät noch jahrelang seinen Dienst tut — das ist auch ein Verdienst von Valve.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.