Vier Jahre nach dem Vorgänger hat Sennheiser die Momentum 5 Wireless offiziell vorgestellt — Over-Ear-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling, 57 Stunden Akkulaufzeit und einer Eigenschaft, die in dieser Klasse bisher die Ausnahme war: einem Akku, den man selbst tauschen kann. Vermarktet wird das als Nachhaltigkeits-Bekenntnis. Realistisch ist es vor allem eine Vorwegnahme der EU-Verordnung zum Recht auf Reparatur, die Ende Juli 2026 greift. Anders gesagt: Wer in den letzten Jahren gehofft hat, dass die Hersteller den verklebten Akku freiwillig wieder hergeben, hat sich vertan — sie tun es, weil sie absehbar müssen.
Acht Mikrofone gegen die Welt
Den größten technischen Sprung gibt es nicht beim Klang, sondern bei der Geräuschunterdrückung. Sennheiser hat die Anzahl der Mikrofone verdoppelt: vier pro Hörmuschel, also acht insgesamt. Das ANC soll dadurch laut Hersteller bis zu dreimal effektiver gegen Stimmgewirr arbeiten als beim Momentum 4. Bei Sprache und Wind — den klassischen Schwachpunkten aktiver Geräuschunterdrückung — verspricht das Datenblatt deutliche Verbesserungen. Wie viel davon in der Praxis ankommt, müssen Tests zeigen; die XM-Reihe von Sony und die QuietComfort-Modelle von Bose haben in genau dieser Disziplin in den letzten beiden Generationen kräftig nachgelegt.
Telefonate sollen durch die zusätzlichen Mikros ebenfalls besser klingen — ein Punkt, der für mich im Homeoffice mehr Gewicht hat als jede dritte Lossless-Codec-Marke. Wer den ganzen Tag in Calls mit Kunden sitzt und nebenbei Tastatur tippt, merkt schneller, ob ein Kopfhörer das Mikrofon unter Kontrolle hat, als ob 24/96-Hi-Res tatsächlich besser klingt.
Klanglich: viel Etikett, gleicher Treiber
Die Akustik kommt aus dem gleichen 42-mm-Treiber, der schon im Momentum 4 verbaut war — produziert in Sennheisers Werk im irischen Tullamore. Neu auf dem Karton: Hi-Res-Audio-Zertifizierung, Snapdragon-Sound-Unterstützung samt aptX-Lossless-Codec und Dolby Atmos mit Head-Tracking, das per Day-One-Firmware-Update nachgereicht wird. Die Bluetooth-Strecke startet mit Version 5.4, Bluetooth 6.0 soll später per Firmware kommen — Hardware, die für ein Funkprotokoll vorbereitet ist, das in der Breite noch nirgendwo ankommt.
Hi-Res-Zertifikat und Lossless-Codec klingen nach gehobener Audio-Klasse, sind aber an Bedingungen geknüpft, die viele Käufer in der Praxis nicht erfüllen: Quellgerät, App, Streaming-Dienst und Codec müssen zusammenspielen. Wer die Kopfhörer am iPhone betreibt, wird aptX Lossless nicht zu Gesicht bekommen. Apple unterstützt den Qualcomm-Codec nicht — und Sennheiser bleibt mit den Momentum 5 weiterhin ohne LDAC.
Akku-Wechsel: ein Schraubendreher, der den Unterschied macht

Im 700-mAh-Akku steckt der eigentliche Generationswechsel. Mit einem kleinen Kreuzschlitz-Schraubendreher lässt er sich austauschen, ohne dass die Kopfhörer dafür zur Werkstatt müssen. Das ist in der Premium-Klasse alles andere als selbstverständlich — Sonys WH-1000XM-Reihe, die Bose QuietComfort Ultra und auch die früheren Momentum-Generationen kamen alle mit fest verbauten Akkus, die nach drei bis vier Jahren typischerweise spürbar nachlassen.
Ich habe selbst noch ein Paar ältere Bluetooth-Kopfhörer in der Schublade liegen, die mechanisch und akustisch tadellos sind — nur der Akku hält nach gut drei Jahren nicht mehr durch einen normalen Arbeitstag. Reparatur über den Hersteller war damals teurer als ein Mittelklasse-Neugerät, also lag das Ding seitdem nutzlos im Schrank. Wenn der Akkuwechsel im Wohnzimmer in fünf Minuten erledigt ist, ändert das die Lebenserwartung solcher Geräte fundamental. Vorausgesetzt, Sennheiser stellt Ersatzakkus auch in fünf oder sechs Jahren noch bereit — daran wird sich messen lassen, wie ernst das Repair-Argument tatsächlich gemeint ist.
Dazu kommen Detail-Verbesserungen am ökologischen Drumherum: Die Transporttasche ist 20 Prozent kleiner als beim Vorgängermodell, die Verpackung kommt kompakt und ohne Kunststoff. Im Lieferumfang stecken USB-C-Ladekabel und 3,5-mm-Klinkenkabel — letzteres ist für alle nützlich, die im Flugzeug am Bordsystem hängen wollen oder Bluetooth-Latenz nicht mögen.
Preis und Verfügbarkeit
Die Momentum 5 Wireless erscheinen am 30. Juni 2026 in den Farben Schwarz, Weiß und Denim-Blau. Die UVP liegt bei 399,99 Euro — rund 50 Dollar über dem Startpreis des Vorgängers. Damit liegt Sennheiser punktgenau auf dem Niveau von Sonys WH-1000XM6 und nur knapp unter der Bose QuietComfort Ultra. Aufpreis und Akku-Tauschbarkeit dürften sich für viele Käufer gegenseitig aufwiegen — wer einen Kopfhörer kauft, der in fünf Jahren noch laufen soll, zahlt am Anfang gern ein paar Euro mehr.
Bemerkenswert bleibt, was die Ankündigung über die Branche aussagt: Der erste Kopfhörer eines Premium-Herstellers mit nutzerwartbarem Akku kommt nicht etwa, weil ein Hersteller mutig vorprescht — er kommt, weil eine Verordnung dafür sorgt. Wenn die XM7 von Sony in ein paar Monaten kommt, wird ziemlich sicher dieselbe Schraube am gleichen Gehäuse sitzen. Das ist gut für die Käufer. Hätte aber auch zehn Jahre früher passieren können.
