Nideggen/Eifel (ots) – Alles ist lackiert, gestrichen, repariert, vorbereitet für den Moment, „wenn es irgendwann wieder losgeht“. Aber es geht nicht wieder los. Oder um es im Zirkusjargon zu sagen: Die Manege bleibt frei – kein Publikum und keine Aufführung seit Monaten. Doch Fernando Trumpf sagt: „Wir haben noch nicht aufgegeben.“

Sieben Monate liegt der letzte Besuch beim kleinen Circus Ronelli zurück. Schon damals hatte es ein halbes Jahr keine Vorführungen mehr gegeben. Im September und Oktober hat die Zirkusfamilie mit den vier Kindern ihr Zelt zwar wieder für ein paar Gastspiele aufgebaut. Aber Anfang November war erneut Schluss. Seither stehen die Ronelli-Zirkuswagen in Nideggen-Schmidt im Kreis Düren und warten auf Bewegung.

Fernando Trumpf und seine Frau Maike sind beide 32 Jahre alt. Mit dem Familienunternehmen haben sie sich erst vor vier Jahren selbstständig gemacht, das komplette Programm wird von den Eheleuten und ihren Kindern bestritten. Die Tiere haben sie durch den Winter gebracht – dank der Futterspenden aus der Bevölkerung und der Unterstützung anderer Zirkusfamilien. Aber da bleiben die Versicherungen und die Ratenzahlungen für das Zirkuszelt. Das Arbeitslosengeld II ist nur ein schwacher Trost.

Verzweiflung? Nein, dieses Wort nimmt Fernando Trumpf nicht in den Mund. Eher schon räumt er gelegentliche Wut ein: wenn sich die Menschen beim Einkaufen drängen oder nach Mallorca fliegen dürfen, während der Besuch im großen Zirkuszelt trotz aller Abstandsoptionen verboten bleibt. „Aber es ist ja nicht nur für uns schwer.“ Aufgeben ist für ihn keine Option. „Man ist ja damit groß geworden.“ Der 32-Jährige ist in eine Zirkusfamilie hineingeboren, seine Kinder kennen kein anderes Leben. Ihren Unterricht erhalten sie von der Schule für Circuskinder der rheinischen Kirche.

Fernando Trumpf glaubt daran, dass das Publikum ausgehungert sein wird, wenn die Pandemie überwunden ist. Nur wann dieser Moment kommt, dazu wagt er keine Prognose. Bis dahin gilt: „Unterkriegen lassen wir uns nicht.“

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