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Mittwoch, 6. Oktober 2021, 22.45 Uhr

ZDFzoom: Ein Kartell des Schweigens – Wie Kindesmissbrauch vertuscht wurde

Film von Klaus Martens und Peter F. Müller

Mehrere Kinder soll ein Arzt am Universitätsklinikum des Saarlandes missbraucht haben. Dass über Jahre die Eltern darüber nicht informiert wurden, macht das Unfassbare noch schlimmer.

Vom mutmaßlichen Missbrauch erfuhr eine Mutter durch Zufall. Als sie die Klinik konfrontierte, kam die Wahrheit ans Licht. Auch Staatsanwaltschaft und Landesregierung hatten geschwiegen. „ZDFzoom“ stößt auf weitere Täter ? nichts wurde abschließend aufgeklärt.

Der heutige Direktor des Universitätsklinikums des Saarlandes, Prof. Wolfgang Reith, spricht von einem schweren Versäumnis: „Man hätte damals die Eltern der Kinder schon informieren müssen, was da vorgefallen ist.“

Der mutmaßliche Täter war ein Arzt der Jugend- und Kinderpsychiatrie am Universitätsklinikum. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn. Es gab Hinweise, dass er Kinder im Krankenhaus missbraucht haben soll. 2016 starb er eines natürlichen Todes, die Akten wurden von der Staatsanwaltschaft geschlossen.

Zu keinem Zeitpunkt sahen sich Staatsanwaltschaft oder die Klinik dazu veranlasst, die Eltern der Kinder darüber zu informieren. Auch die saarländische Landesregierung wusste von den Vorwürfen, lehnte aber eine Unterrichtung der Eltern ebenfalls ab. Erst 2019 wurde der Fall öffentlich.

Eine Rechtsanwältin betroffener Eltern, Claudia Willger, ist darüber fassungslos: „Ich habe wirklich schon viele schwierige Lebensgeschichten gehört, aber das hat einfach meine Vorstellungskraft absolut gesprengt. Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass Eltern so wenig Respekt gegenüber gebracht wird, und was ich mir auch nicht vorstellen konnte, die Einstellung der Staatsanwaltschaft.“

Wieso die Eltern nicht über den mutmaßlichen Missbrauch in Kenntnis gesetzt wurden, sollte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären. Bislang liegt der Abschlussbericht nicht vor.

Doch damit nicht genug. Auch in einem anderen Klinikbereich des saarländischen Universitätsklinikums sollen Kinder missbraucht worden sein. Betroffen ist die HNO-Klinik. Entsprechende Fälle wurden in Gutachten der Gerichtsmedizin attestiert. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen dennoch ein. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden.

Der saarländische SPD-Landtagsabgeordnete und Mitglied des Untersuchungsausschusses, Jürgen Langer, ist darüber entsetzt: „Es ist eine Niederlage für den Kinderschutz, und es ist ein Riesenmakel für die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik.“ Dass kein Täter ermittelt werden konnte, sei „unfassbar und überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagt Langer.

Das Universitätsklinikum hat inzwischen reagiert und ein sogenanntes Schutzkonzept erarbeitet. Über eine Homepage des Krankenhauses können Missbrauchsfälle jetzt online angezeigt werden.

Die „ZDFzoom“-Autoren Peter F. Müller und Klaus Martens haben über Monate an diesem Fall gearbeitet. Die erste Unterrichtung der Öffentlichkeit erfolgte erst, nachdem die Autoren die saarländische Landesregierung mit ihren Recherchen konfrontierten. Ohne ihre Hartnäckigkeit wären diese Missbrauchsfälle am saarländischen Universitätsklinikum womöglich nie in diesem Umfang veröffentlicht worden.

Mehr unter www.zoom.zdf.de

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Quelle: Presseportal