Köln (ots) – Joe Biden hat mit seinem überstürzten Abzug aus Afghanistan nicht nur Chaos am Hindukusch angerichtet, sondern auch seine europäischen Partner bloßgestellt und gedemütigt. Biden, der sich anfangs in Wort und Tat als besonnener Multilateralist präsentiert hat, dieser gleiche Joe Biden hat sich in einer für alle westlichen Alliierten hochgefährlichen Lage für einen Alleingang entschieden. Aus innenpolitischen Gründen, um das Thema möglichst am Beginn seiner Amtszeit abzuräumen. Er hat die Flucht angetreten, die Partner – die man einst um Solidarität in Afghanistan gebeten hatte – konnten nur noch folgen.

Diese desaströse Erfahrung sollte uns europaweit zum Nachdenken veranlassen. Der Rückzug der USA aus ihrer Rolle als Ordnungsmacht ist ja kein neues Phänomen. Unvergessen ist die fatale Passivität von Barack Obama im Syrien-Konflikt. Bidens Vorgänger Donald Trump posaunte nur heraus, was sich seit Jahrzehnten abzeichnet: Die USA verlieren die Lust an ihrer Garantenstellung für die westliche Welt. Sie nehmen immer stärker die Lasten des westlichen Bündnissystems wahr und unterschätzen – leider – die Bedeutung dieser Allianzen für ihre eigene Sicherheit.

Zumindest in der deutschen Politik gibt es nicht viel Neigung, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Was tun wir denn gemeinsam mit unseren EU-Partnern, um in Verteidigungsdingen wenigstens etwas mehr Selbstständigkeit zu erlangen? Das in der Nato vereinbarte Zwei-Prozent-Ziel für Militärausgaben, dessen Verfehlen uns die USA ja zu Recht vorhalten? Keine Partei nimmt es ernst. Bewaffnete Drohnen? Lieber nicht. Aber sich unter den Problemen wegducken zu wollen war noch nie eine gute Lösung.

Pressekontakt:

Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0228-6688-546
print@kr-redaktion.de

Original-Content von: Kölnische Rundschau übermittelt durch news aktuell

Quelle: Presseportal