Mainz (ots) – Kaum war die Pandemie in den USA angekommen, wussten wir schon: Die Schwarzen trifft es mal wieder viel härter als andere Bevölkerungsgruppen. Empathie geht über den großen Teich halt einfacher. In Deutschland aber braucht es über ein Jahr, bis wir darüber debattieren, welche gesellschaftlichen Gruppen bei uns besonders von Corona betroffen sind und dass Migranten weit überdurchschnittlich unter den schwer Erkrankten und Verstorbenen sind. Aber Zahlen dazu? Fehlanzeige. Auch an dieser Stelle legt Corona die Schwachstellen unserer gesellschaftlichen Verfassung offen. Aus gleichmacherischen Reflexen, die in Wahrheit häufig elitär sind, und aus Sorge, Fremdenfeinden und Integrationsgegnern Futter zu geben, reden wir lieber nicht darüber, gehen wir den Ursachen lieber nicht auf den Grund. Zur Wahrheit gehört, dass die Ursachen mehrschichtig sind. Migranten arbeiten weit überdurchschnittlich da, wo Abstand halten nicht möglich ist. Migranten wohnen wesentlich beengter. Häufig verfolgen sie aber auch nur muttersprachliche Medien und tun sich mit der jetzt geforderten Unkultur der Vereinzelung schwerer – und manche verweigern sie auch. Weil uns das alles nicht interessieren soll, erheben wir keine Daten, suchen und finden wir jenseits von Superspreaderhochzeiten keine Gruppen- oder Quartierscluster, geben wir uns keinerlei Mühe, gruppenspezifisch zu kommunizieren. Oder ist schon mal ein Landrat oder Oberbürgermeister auf die Idee gekommen, in der Pandemie mit Imamen oder anderen Multiplikatoren das Gespräch zu suchen? Und nebenbei gefragt: Was machen in diesen Tagen eigentlich unsere Migrationsbeiräte?

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