Mainz (ots) – Der Inzidenzwert ist ein wichtiger Indikator, weil er früh zeigt, in welche Richtung sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Aber er ist ungeeignet, um daran auf Dauer und mit völlig undifferenzierten Maßnahmen die gesamte Corona-Strategie auszurichten, wie es die Bundesregierung über viele Monate hinweg getan hat. Es ist überfällig, dass weitere Faktoren wie die Klinikeinweisungen als maßgeblich hinzugezogen werden. Denn der Inzidenzwert berücksichtigt nicht, wie schwer die Infizierten erkranken, wer sich infiziert, wie viel überhaupt und wo getestet wird. Die eingeführten Grenzwerte, ob nun 35, 50, 100, 165 oder 200 sind zudem geradezu willkürlich, wenn man sich anschaut, welche massiven Konsequenzen und Einschränkungen damit verbunden sind. Mit dem Impffortschritt verliert der Inzidenzwert nun endgültig an Aussagekraft: Selbst wer sich infiziert, hat als Geimpfter einen besseren Schutz vor schwerer Erkrankung. Die monatelange Fixierung auf diese Zahl auch in der öffentlichen Diskussion hat aber dazu geführt, dass schon bei einem minimalen Anstieg von 5,8 auf 6,2 Alarmstimmung im Land herrscht. Während andere Länder, die mit einer Art Ampelsystem arbeiten, mit teils viel höheren Inzidenzwerten umgehen. Ganz wichtig: Das heißt nicht, dass nun alles gelockert werden soll wie im Negativbeispiel Großbritannien. Gerade bei Großveranstaltungen und Aktivitäten drinnen muss genau hingeschaut werden. Hierfür braucht es nach wie vor strengere Auflagen und im Zweifel auch Kontrollen. Und grundsätzlich bleiben Hygieneregeln und Masketragen – je nach Situation – wichtige Instrumente. Daran halten sich die vernünftigen Bürger, und das sind zum Glück noch die meisten, übrigens auch ohne Blick auf den Inzidenzwert.

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