Mainz (ots) –

Dass man das noch erleben darf: Die Grünen und die Bild-Zeitung stoßen in das gleiche moralinsaure Horn: Igitt, dass die Kanzlerin mit Alexander Lukaschenko über die von ihm betriebene Zuspitzung an der polnisch-weißrussischen Grenze telefoniert hat. Die Erhabenheit des Boulevards über diplomatische Dilemmata muss man hier nicht erörtern. Den Grünen sei aber geraten: Augen auf bei der Ressortwahl bei der anstehenden Regierungsbildung. In ein paar Wochen schon könnten sie das Außenministerium besetzen und selbst mit in der Verantwortung für die Auflösung außenpolitischer Krisen stehen. Und allein mit Sanktionen und Isolierung sind noch selten internationale Krisen entschärft worden. Es kommt also eher auf das Mischungsverhältnis der Instrumente an und nicht auf den kategorischen Ausschluss von einem. Ohne Kenntnis der Gesprächsstrategie von Angela Merkel und Emmanuel Macron, der parallel zu ihr Wladimir Putin ins Gebet genommen hat, lässt sich die gemeinschaftliche Initiative gar nicht bewerten. Am Ende wird allein Erfolg oder Misserfolg darüber entscheiden, wie dieser Vorstoß einmal taxiert wird. Ja, mit dem Gespräch hat die scheidende Kanzlerin Lukaschenko aufgewertet, mit dem seit der gefälschten Wahl in Belarus aus guten Gründen kein europäischer Staatschef mehr gesprochen hat. Zugleich steht gerade Merkel nicht im Verdacht, demokratischen Freiheitsbewegungen in Osteuropa in den Rücken zu fallen. Die Grünen täten in jedem Fall gut daran, vor Eintritt in die Bundesregierung in Fragen diplomatischer Zwangslagen Joschka Fischer zurate zu ziehen.

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