Frankfurt (ots) –

Es ist erst wenige Wochen her, dass sich die deutsche Automobilindustrie auf der internationalen Messe IAA in München selbst gefeiert hat. Fortschritte bei Elektrifizierung, autonomem Fahren und digitalen Services prägten den Eindruck einer hochleistungs- wie lernfähigen Branche. Allerdings scheint die Lernfähigkeit auch bitter nötig.

Das gilt insbesondere mit Blick auf die Beziehungen zu Lieferanten wichtiger Elektronikbauteile. Die anhaltenden Lieferengpässe haben zahlreiche Experten – etwa der Beratungsgesellschaften BCG und PwC – veranlasst, ihre Prognosen für die weltweiten Auslieferungen 2021 erneut um mehrere Millionen Fahrzeuge nach unten zu korrigieren.

Für einige Werke haben die Hersteller zuletzt mehrwöchige Produktionspausen angekündigt. Das Opel-Werk in Eisenach hat seine Tore wegen des Teilemangels sogar gleich bis zum Jahresende geschlossen. Doch selbst wenn gefertigt wird, mutet der Begriff „fertigen“ oft zunehmend deplatziert an. Viele Autohändler klagen längst darüber, dass ihnen unfertige Fahrzeuge angeliefert werden, die der Hersteller dann bei entsprechender Verfügbarkeit später vervollständigen will.

Sowohl BMW als auch Mercedes liefern mittlerweile Fahrzeuge aus, die später mit bestimmten Funktionen nachgerüstet werden sollen. Konkurrent Audi geht es ähnlich und vielen Volumenherstellern erst recht. Die vom Ifo-Institut gemessene Stimmung in der hiesigen Automobilindustrie, die im Juli ein Mehrjahreshoch erklommen hatte, ist längst wieder im Sinkflug. Und dies, obwohl viele Autobauer kurzfristig margenseitig profitieren. Der Mangel an Fahrzeugen hat den Preiswettkampf praktisch ausgeschaltet. Ohne die üblichen Rabatte liegt die Profitabilität der verkauften Autos deutlich höher und damit auch die Marge.

Beunruhigend sind der Chipmangel und die ständig changierenden Aussagen der Automanager dennoch. Ein oft zu hörendes Mantra lautet, die ganze Branche sei gleichermaßen betroffen. Die ganze Branche? Nein! Wie im Comic ein kleines gallisches Dorf den Römern trotzt, so stellt sich ein US-Elek­troautobauer erfolgreich dem Chipmangel entgegen. Tesla hat für das dritte Quartal wieder einmal rekordhohe Auslieferungen gemeldet.

Es ist nicht lange her, dass CEO Elon Musk attestiert wurde, eine steile Lernkurve in der Produktion vor sich zu haben, wenn das Mittelfristziel von einer Million Autos pro Jahr erreicht werden soll. Nun kratzt Tesla erstmals am Ziel – trotz Chipkrise. Die steile Lernkurve haben mittlerweile andere Autobauer vor sich.

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