WIESBADEN (ots) – Der Nominallohnindex in Deutschland ist im Jahr 2020 nach endgültigen Ergebnissen der Vierteljährlichen Verdiensterhebung um durchschnittlich 0,7 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Index bildet die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen ab. Die Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum um knapp 0,5 %. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, sanken die Reallöhne im Jahr 2020 damit um 1,1 % gegenüber 2019. Somit ergab sich gegenüber den am 17. Februar 2021 veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen eine Korrektur von 0,1 Prozentpunkten nach unten.

Kurzarbeit beeinflusst Lohnentwicklung und Wochenarbeitszeit deutlich

Erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007 gehen die Nominallöhne im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr zurück. Die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung 2020 war stark durch den vermehrten Einsatz von Kurzarbeit im Zuge der Corona-Krise beeinflusst: Kurzarbeit reduziert die bezahlte Wochenarbeitszeit und damit den Bruttomonatsverdienst. Wenngleich das Kurzarbeitergeld die Verdiensteinbußen für viele Beschäftigte abgefedert hat, ist es eine Lohnersatzleistung und kein Verdienstbestandteil. Daher wird es in den Verdienststatistiken nicht erfasst.

Insgesamt reduzierte sich die bezahlte Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um durchschnittlich 2,9 %. Der stärkste Rückgang ist hierbei in dem Wirtschaftsabschnitt „Gastgewerbe“ mit -19,4 % zu verzeichnen, gefolgt von „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ mit -9,0 %. Den geringsten Arbeitszeitrückgang weisen die Sektoren „Energieversorgung“ und „Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“ (beide jeweils -0,4 %) auf.

Verdienstentwicklung im 4. Quartal 2020 leicht positiv

Verglichen mit der Entwicklung im 2. und 3. Quartal 2020, die ebenfalls sehr stark durch die Corona-Krise und Kurzarbeit geprägt waren, erholte sich die Verdienstentwicklung im 4. Quartal 2020 etwas: Gegenüber dem 4. Quartal 2019 ergab sich für den Reallohnindex ein Wachstum von 0,4 % bei einem Nominallohnzuwachs von 0,2 % und einem Rückgang der Verbraucherpreise um 0,2 %.

Stärkere Verdiensteinbußen in den unteren Leistungsgruppen

In der Unterscheidung nach Leistungsgruppen war der Verdienstrückgang gemessen am Nominallohnindex im Jahr 2020 mit -2,5 % bei angelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am größten, gefolgt von ungelernten Angestellten (-1,6 %), Fachkräften (-1,2 %) sowie herausgehobenen Fachkräften (-0,2 %). Die Verdienste von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in leitender Stellung wiesen mit +0,2 % eine leichte Verdienstzunahme auf.

Methodische Hinweise:

Der Nominallohnindex bildet die Veränderung der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen der in Vollzeit, in Teilzeit und geringfügig Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich ab. Er erfasst die Verdienstentwicklung bei gleicher Beschäftigtenstruktur wie im Vorjahr. Der Nominallohnindex umfasst nur die von Arbeitgeberseite gezahlten Verdienste und kein Kurzarbeitergeld. Beschäftigte, die ausschließlich Kurzarbeitergeld erhalten haben, sind nicht berücksichtigt. Der Reallohnindex stellt die Veränderung der Verdienste der Preisentwicklung gegenüber. Er gibt somit Hinweise zur Entwicklung der Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Weitere Informationen:

Die Zeitreihen zu den Real- und Nominallöhnen stehen auf den Internetseiten des Statistischen Bundesamtes unter www.destatis.de –> Themen –> Arbeit –> Verdienste –> Reallöhne und Nettoverdienste –> Publikationen –> Reallohnindex zur Verfügung.

Detaillierte Informationen über die Höhe der Bruttostunden- und Bruttomonatsverdienste nach Wirtschaftszweigen, Beschäftigungsumfang, Leistungsgruppen sowie Geschlecht bietet die Fachserie 16, Reihe 2.1 (Quartalsergebnisse) sowie Reihe 2.3 (Jahresergebnisse), die unter www.destatis.de –> Themen –> Verdienste –> Verdienste und Verdienstunterschiede –> Publikationen –> Arbeitnehmerverdienste zur Verfügung stehen.

Detaillierte Daten und lange Zeitreihen zu den Bruttoverdiensten in Deutschland können über die Tabelle Bruttoverdienste, Wochenarbeitszeit (62321-0001) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden. In der Datenbank lassen sich auch Zeitreihen zum monatlichen Index der Tarifverdienste abrufen (62231-0001).

Die Ergebnisse zur Vierteljährlichen Verdiensterhebung sind neben weiteren Indikatoren zur Einordnung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auch auf der Sonderseite „Corona-Statistiken“ im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes verfügbar.

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Quelle: Presseportal