Oldenburg (ots) – Mit einer ungewöhnlichen Kampagne will die Oldenburger Polizei besonders ältere Menschen vor Betrügern schützen.

Mit Enkeltrick, dem Einsatz falscher Polizeibeamte, Schockanrufen und vielen weiteren Variationen von dreisten Betrugsmaschen versuchen es Täter immer häufiger, ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger hereinzulegen und teilweise sehr hohe Bargeldbeträge zu erbeuten.

Auf diese Weise ist im Zuständigkeitsbereich der Inspektion (Stadt Oldenburg und Landkreis Ammerland) im Jahr 2020 ein Schaden von über 120.000 Euro entstanden.

Die Taten laufen dabei stets nach demselben Schema ab: Die Betrüger nehmen telefonisch Kontakt mit ihren potentiellen Opfern auf und konfrontieren sie mit einer frei erfundenen Bedrohungssituation. Den gutgläubigen Opfern wird dabei suggeriert, dass sie das Problem nur durch die Zahlung einer meist hohen Geldsumme lösen könnten. Im weiteren Verlauf der Gespräche werden die Angerufenen dann aufgefordert, das Geld vom Bankkonto oder aus einem Depot abzuheben und persönlich an einen Boten zu übergeben.

Die Möglichkeiten von Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, im Rahmen der Kundengespräche derartige Betrügereien zu verhindern, sind durchaus begrenzt. Selbst wenn ihr Misstrauen geweckt ist, handelt es sich um Kunden, die selbstbestimmt ein Konto führen.
Dennoch leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreditinstitute oft gute Präventionsarbeit. Etliche Taten konnten schon durch geschickt geführte Kommunikation im Rahmen der Geldabhebung bekannt und verhindert werden. Leider gelingt es den Tätern aber immer wieder, die Opfer durch konkrete Handlungsanweisungen so zu instruieren, dass den Bankmitarbeitern keine Anhaltspunkte für eine bevorstehende Straftat mitgeteilt werden. Die rhetorisch oft sehr geschickten Betrüger setzen ihre Opfer in sehr kurzer Zeit massiv unter Druck. Der Einfluss der Täter reicht so weit, dass die Betrogenen sogar bei ihrem Kreditinstitut Lügen über den Grund für die Abhebung erzählen sollen und dies auch tun. In diesen Fällen kommt es immer noch zu vollendeten Betrugsstraftaten. Geschädigte sprechen im Nachhinein oft von einer Art Gehirnwäsche, die bei ihnen innerhalb kürzester Zeit am Telefon erzeugt wurde

Genau an dieser Stelle setzt die Kampagne der Polizei Oldenburg an: Mit bedruckten Briefumschlägen, in denen die Geldscheine ausgehändigt werden, sollen die Kunden auf eine mögliche Betrugstat aufmerksam gemacht werden. Die Umschläge wurden vom Präventionsteam der Polizei bereits an die hiesigen Bank- und Sparkassenfilialen verteilt.

Die fettgedruckte Botschaft auf der Vorderseite der Umschläge ist unmissverständlich: „Vorsicht Betrugsgefahr“, heißt es auf der Vorderseite des Umschlags. Auf der Rückseite findet sich eine Checkliste mit sechs Fragen. Dem Leser wird damit deutlich gemacht, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer eines Betrugsdeliktes geworden ist, wenn er mindestens zwei dieser sechs Fragen mit „Ja“ beantworten kann. In einem solchen Fall wird der Kunde mit deutlichen Worten aufgefordert, umgehend den Notruf der Polizei – 110 – zu wählen. Die Polizei hofft, mit dieser Botschaft eine Tat noch im letzten Moment verhindern und die Betroffenen vor einem hohen finanziellen Schaden bewahren zu können.

Die Fragen auf dem Umschlag lauten im Einzelnen:

1. Haben Sie den Geldbetrag abgehoben, weil Sie angerufen worden sind?

2. Sollen Sie das Geld noch heute übergeben?

3. Hat der Anrufer Ihnen verboten, über den wahren Zweck der Abhebung zu sprechen?

4. Hat sich der Anrufer als Familienangehöriger, Polizist, Arzt, Notar, Richter, etc. ausgegeben?

5. Sollen Sie das Geld an eine unbekannte Person übergeben?

6. Sollen Sie etwas überweisen oder eine Geldwertkarte kaufen?

Die Idee des Briefumschlages konnte angelehnt an ein Projekt der Polizei Nordrhein-Westfalen u.a. für den Bereich der Polizeiinspektion Stadt Oldenburg/Ammerland übernommen werden. Sie ist ein weiteres Puzzleteil im Kampf gegen Anrufer aus Callcentern, die sich als Ärzte, Bankmitarbeiter, Polizisten, Rechtsanwälte, Richter oder Staatsanwälte ausgeben und erfundene Geschichten über Angehörige erzählen, die u.a. schwer erkrankt oder in einen Unfall verwickelt sind und angeblich nur mit viel Geld vor dem Tod oder dem Gefängnis bewahrt werden können.

Übernommen und aufbereitet wurde die Kampagne für den Bereich der Stadt Oldenburg von Kriminaloberkommissar Carsten Vogt sowie für den Landkreis Ammerland von Kriminalhauptkommissar Michael Schröder.

Beide stehen Ratsuchenden bei Präventionsfragen zur Verfügung:

KOK Carsten Vogt: Telefon 0441/790-4112 (Stadt Oldenburg)

KHK Michael Schröder: Telefon 04488/833-124 (LK Ammerland)

Rückfragen bitte an:

Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt / Ammerland
Pressestelle
Stephan Klatte
Telefon: 0441 790 4004
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Quelle: Presseportal