Ludwigsburg (ots) – Das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat am Mittwoch seinen Sicherheitsbericht für 2020 mit den Teilbereichen „Polizeiliche Kriminalstatistik“, Verkehrsunfallgeschehen“ und „Präventionsbericht“ veröffentlicht

Kriminalitätsentwicklung: So sicher wie lange nicht!

Die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ist um -2,2% zurückgegangen und hat mit nunmehr 37.709 Fällen den niedrigsten Stand seit 2010 erreicht. Im Kreis Böblingen war der prozentuale Rückgang dabei mit -3,6% deutlicher ausgeprägt als im Kreis Ludwigsburg (-1,1%).
Gleichzeitig wurde die Aufklärungsquote von 62,1% auf 63,7% gesteigert.
Mit einer Häufigkeitszahl von 4.019 (4.067 im Kreis Böblingen und 3.985 im Kreis Ludwigsburg) ist die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Landesdurchschnitt deutlich geringer.

„Insgesamt betrachtet ein sehr gutes Ergebnis,“ so Polizeipräsident Burkhard Metzger. „Es spricht für die hervorragende Arbeit, die die Mitarbeitenden des Polizeipräsidiums Ludwigsburg in einem alles andere als einfachen Jahr 2020 geleistet und damit dazu beigetragen haben, dass die Bürgerinnen und Bürger bei uns so sicher leben können, wie seit Langem nicht.“ Gleichzeitig geht Metzger aber auch davon aus, dass die Corona-Pandemie und die in diesem Zusammenhang erforderlichen Einschränkungen Teilbereiche des Kriminalitätsaufkommens beeinflusst haben.

Wohnungseinbruch auf „historischem Tief“; Aufklärungsquote deutlich gesteigert

Als Beispiel dafür nannte der Polizeipräsident den Wohnungseinbruchsdiebstahl, der im vergangenen Jahr mit 440 erfassten Fällen (185 im Kreis Böblingen und 255 im Kreis Ludwigsburg) einen geradezu historischen Tiefstand erreicht hat. „Hier könnten Mobilitäts- und Kontaktbeschränkungen zu weniger Tatmöglichkeiten geführt haben. Wenn die Menschen ständig zu Hause sind, erschwert das natürlich die Tatgelegenheit für Einbrecher.“ Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich konnte von 19,8% auf 28,6% deutlich gesteigert werden.

Neben dem Wohnungseinbruch sind die Diebstahlsdelikte insgesamt um -11,2% von 9.797 auf 8.704 Delikte zurückgegangen. Die Fälle des einfachen Diebstahls gingen mit -15,6% dabei deutlicher zurück als die schweren Diebstähle (-2,6%). „Auch hier gilt: Wenn Läden geschlossen sind, können keine Ladendiebstähle begangen werden.“

Straftaten gegen das Leben auf Zehnjahres-Tief

Die Gesamtzahl der Straftaten gegen das Leben hat mit 14 (16) Delikten den tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre erreicht. In fünf Fällen führte die Kriminalpolizeidirektion des Polizeipräsidiums Ludwigsburg dabei Ermittlungen wegen Verdachts des Mordes. Erwähnenswert dabei ist, dass 11 der 14 Straftaten gegen das Leben im Versuchsstadium blieben.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erneut angestiegen

2020 stiegen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 579 auf 624 Fälle (+45/+7,8%) an. Während die mit Gewalt begangenen Taten wie Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch meist rückläufig sind, ist im Bereich der Verbreitung pornografischer Schriften ein starker Anstieg von 150 auf 253 Fälle (+103/+68,7%) zu verzeichnen, der die Gesamtentwicklung der Sexualdelikte maßgeblich beeinflusst.

In diesem Deliktsbereich stellt vor allem der sexuelle Missbrauch von Kindern und die Verbreitung kinderpornografischer Dateien die Ermittelnden vor große Herausforderungen. Die Anzahl der Ermittlungsverfahren im Bereich der Kinderpornografie stieg von 128 im Jahr 2019 auf zuletzt 211 an. In diesen beiden Jahren hatten die Ermittler 438 Terrabyte Datenmaterial auszuwerten. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat die Polizei organisatorisch und personell reagiert.

Straftaten im öffentlichen Raum leicht rückläufig

Bei einer von 15.500 auf 15.210 Fälle leicht rückläufigen Tendenz bei den Straftaten im öffentlichen Raum haben sich die einzelnen Bereiche dieser Deliktsgruppe unterschiedlich entwickelt.
Rohheitsdelikte, die sich aus allen Körperverletzungsdelikten sowie den Straftaten gegen die persönliche Freiheit, wie Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung und Nachstellen (Stalking) zusammensetzen, blieben mit 2.622 Fällen praktisch unverändert. Im öffentlichen Raum begangene Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gingen dagegen von 196 auf 170 Fälle zurück. Ebenso leicht rückläufig ist die Gesamtzahl der Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum.
Sie gingen um -3,0% von 1.864 auf 1.809 Fälle zurück.

Täglich ein Gewaltdelikt gegen Polizeibeamte

Der Rückgang bei den Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte im Jahr 2019 hat leider keine Trendwende eingeleitet. Die Zahl der registrierten Fälle stieg um +19.8% von 318 auf 381 an. Im Kreis Böblingen fiel die Zunahme mit +16,3% von 184 auf 214 Delikte prozentual geringer aus als im Kreis Ludwigsburg mit +24.6% von 134 auf 167.
Erst vor Kurzem wurden Polizeibeamte, die zu einer häuslichen Auseinandersetzung in Weil im Schönbuch gerufen worden waren, von einem 31-Jährigen mit einem Samurai-Schwert angegriffen. Einer der Beamten zog sich dabei eine schwere Verletzung am Ohr zu. Gegen den Tatverdächtigen, der beim daraufhin erfolgten polizeilichen Schusswaffengebrauch verletzt wurde, wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.

Politisch motivierte Kriminalität leicht rückläufig

Die politisch motivierten Straftaten insgesamt haben von 240 auf 234 leicht abgenommen. Dagegen wurden innerhalb dieser Straftaten mit 14 Gewaltdelikten vier mehr als im Vorjahr angezeigt.

20 Prozent weniger Verkehrsunfälle – Zahl der Todesopfer mehr als halbiert

„Insbesondere die Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle stand und steht weiterhin im Fokus der polizeilichen Verkehrsüberwachungs- und präventionsmaßnahmen. Auch wenn die Mobilitätseinschränkungen im Verlauf der Corona-Pandemie zu einer geringeren Verkehrsbelastung geführt und sich damit in der Verkehrsunfallentwicklung niedergeschlagen haben, gehe ich davon aus, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind,“ erklärt Metzger. „Denn die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in unserem Zuständigkeitsbereich ist um 20% gesunken und mit 15 Verkehrstoten hat sich deren Zahl im Vergleich zu 34 im Jahr 2019 mehr als halbiert“.

Die meisten Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden durch Vorfahrtsverstöße verursacht. An zweiter Stelle rangiert zu dichtes Auffahren. Und wie schon im Vorjahr ist überhöhte Geschwindigkeit die dritthäufigste Ursache.

Die Unfälle, bei denen Alkoholeinwirkung eine Rolle spielte, gingen um 18,8% von 336 auf 273 zurück. Im Kreis Böblingen von 117 auf 102 (-12,8%), im Kreis Ludwigsburg von 181 auf 143 (-21%) und auf den Autobahnen von 38 auf 28 (-26,3%).

Bei den Verkehrsunfällen unter Drogeneinfluss ist zwar insgesamt eine rückläufige Tendenz erkennbar, jedoch mit unterschiedlichen Entwicklungen in den Landkreisen: Im Kreis Böblingen ging deren Anzahl um 20% von 30 auf 24 zurück, während die Polizei im Kreis Ludwigsburg eine Zunahme um 53,3% von 15 auf 23 registrierte. Auf den Autobahnen wurde bei 28 (38/-26,3%) Unfällen Drogeneinfluss bei einem Beteiligten festgestellt.

Die Zahl der Motorradunfälle ist um fast sieben Prozent auf 319 zurückgegangen. 2020 ist kein Verkehrsteilnehmer bei Motorradunfällen gestorben. Die Zahl der schwerverletzten Opfer hat sich jedoch von 32 auf 34 leicht erhöht.

Mit der verstärkten Verkehrsteilnahme von Pedelecfahrenden hat auch die Anzahl der Unfälle mit Pedelecs um 18,8% von 202 auf 240 deutlich zugenommen. „Das zeigt uns, dass wir dieser Gruppe weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen müssen.“

Prävention geht neue Wege

Kontaktbeschränkungen, die Schließung von Bildungseinrichtungen und vieler anderer Adressaten polizeilicher Präventionsbotschaften machten eine deutliche Intensivierung von Online-Angeboten erforderlich. Das Referat Prävention des Polizeipräsidiums hat daher bereits früh damit begonnen, geeignete Veranstaltungen in Online-Formate umzuwandeln, um die bisherigen Zielgruppen weiterhin zu erreichen.

Den ausführlichen Sicherheitsbericht finden Sie hier als Anlage sowie auf der Internet-Seite des Polizeipräsidiums Ludwigsburg https://ppludwigsburg.polizei-bw.de

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Quelle: Presseportal