Rostock (ots) – Die Kriminalitätsentwicklung im Bereich der Hanse- und Universitätsstadt Rostock des Jahres 2020 ist im Wesentlichen geprägt durch eine(n):

   - weiteren Rückgang der Straftaten um insgesamt 5,4 %,
   - deutlichen Rückgang der Gewaltkriminalität um 15 %,
   - Rückgang der Diebstahlsdelikte um 15 %,
   - Verringerung der Straßenkriminalität um rund 10 %,
   - Anstieg der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 32
     %. 

Die Polizeiinspektion Rostock registrierte für ihren Zuständigkeitsbereich wiederholt weniger Straftaten. Die erfassten Fälle sind auf 18.794 gesunken (2019: 19.877). Die Häufigkeitszahl ist erstmals unter 9.000 Straftaten je 100.000 Einwohner gefallen. Die Aufklärungsquote bewegte sich nahezu konstant bei 60 %.

Die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen wird mit insgesamt 7.325 (2019: 7.551) beziffert. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist um rund 5 % gestiegen. Er liegt im Jahr 2020 mit 1.862 bei 25,4 %. Zurückzuführen ist dies insbesondere auf die vermehrten Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz; vorwiegend unerlaubte Einreisen. 2020 kamen die nichtdeutschen Tatverdächtigen überwiegend aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Der deutlichste Rückgang im letzten Jahr ist bei den Diebstahlsdelikten zu verzeichnen gewesen (-14,8 %). Erwähnenswert sind hier die rückläufigen Entwicklungen der

   - Diebstähle von Mopeds und Krafträdern (-30,6 %),
   - Diebstähle an/aus Kraftfahrzeugen (-26 %),
   - Diebstähle von Kraftfahrzeugen (- 19,6 %) und der
   - Ladendiebstähle (-23 %). 

Die starke Verringerung der Diebstähle von Mopeds und Krafträdern ist mit einer Aufklärung einer Straftatserie von den Beamtinnen und Beamten des Kriminalkommissariats Rostock zu begründen. Sie ermittelten einen 42-jährigen Tatverdächtigen, der im Herbst 2020 eine Vielzahl von Motorrädern gestohlen hatte. Ihm konnten nahezu 90% der Motorraddiebstähle angerechnet werden.

Die Polizeiinspektion Rostock verzeichnete auch im Bereich der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit einen Rückgang um 11,5 %.

„Die klaren Verringerungen dieser Fallzahlen stehen hierbei auch im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie“, so der Leiter der Polizeiinspektion Rostock, Herr Achim Segebarth. „Die Schließungen von Geschäften, kulturellen Einrichtungen und anderen Orten sowie Alkoholverbote wirkten sich nicht nur auf die Diebstahlsdelikte, sondern gewiss auch auf die Fallzahlen bei den Raubdelikten, Nötigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen insbesondere im öffentlichen Raum aus.“

Im Gegensatz zu 2019 sind die Straftaten gegen das Waffengesetz um 16,2 % gesunken (2020: 88; 2019: 105). Um 4,6 % gestiegen hingegen sind im Vergleich zum Vorjahr die Rauschgiftdelikte. Sie hatten einen Anteil an den Gesamtstraftaten von 7,6 %.

Wie bereits auf der Pressekonferenz des Ministeriums für Inneres und Europa zur Polizeilichen Kriminalstatistik am 30. März 2021 bekannt gegeben wurde, waren im Pandemiejahr in einigen Kriminalitätsbereichen auch Anstiege zu verzeichnen. Parallel zur landesweiten Kriminalitätsentwicklung wurden auch in Rostock mehr Fälle von Häuslicher Gewalt und mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gemeldet.

Innerhalb von Familien stiegen die Fallzahlen der einfachen, gefährlichen und schweren Körperverletzungen sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen und Bedrohungen. Der Anstieg der Gewaltstraftaten gegenüber Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, ist hier weniger in den Partnerschaften, sondern deutlicher in den Familien zu finden – das heißt vor allem gegenüber Kindern, Geschwistern, Eltern, Großeltern, Enkeln. So haben sich die einfachen Körperverletzungen gegenüber Personen des eigenen Haushalts nahezu verdoppelt (2019: 32, 2020: 61 Fälle). Da sich diese Fälle oft im privaten Bereich abspielen, gibt es auch hier eine Dunkelziffer, die der Polizei nicht bekannt wird. In diesem Zusammenhang ruft Polizeidirektor Achim Segebarth alle Opfer von Gewalttaten auf, sich vertrauensvoll an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Opferberatungsstellen oder der Polizei zu wenden. „Gewalttaten sind nicht zu akzeptieren, weder in der Öffentlichkeit noch innerhalb des privaten, schutzwürdigen Umfelds. Wir als Polizei haben mit verschiedenen polizeilichen Maßnahmen die Möglichkeiten einer Soforthilfe und stehen auch weiterhin mit fachkundigem Personal stets an der Seite von Betroffenen“, so Segebarth.

Um rund 32 % sind die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Vergleich zu 2019 angestiegen (2019: 209, 2020: 276). Die meisten Fälle sind im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung oder Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses (2019: 99, 2020: 129) und bei den sexuellen Belästigungen (2019: 47, 2020: 86) zu verzeichnen. Ein Anstieg bei sexuellen Belästigungen ist insbesondere auf eine Straftatenserie zurückzuführen, die im letzten Jahr von den Ermittlerinnen und Ermittlern der Kriminalpolizeiinspektion aufgeklärt wurde. Viele Frauen meldeten sich bei der Polizei, die beim Joggen oder Spazierengehen von einem vorbeifahrenden Radfahrer unvermittelt von hinten an ihr Gesäß gefasst wurden. Die Kriminalbeamtinnen und -beamten stellten einen 31-jährigen Tatverdächtigen fest, dem eine erhebliche Anzahl von Straftaten zugeordnet werden konnte.

Auch im Bereich der sogenannten „Trickstraftaten zum Nachteil älterer Menschen“ ist ein deutlicher Anstieg zu registrieren. So wurden in Rostock im Jahr 2020 etwa 27 % mehr Anzeigen aufgenommen, bei denen Betrüger am Telefon mittels unterschiedlichster Maschen an den finanziellen Mitteln der Opfer interessiert waren. Die häufigsten Vorgehensweisen sind dabei die Phänomene Enkeltrick, Gewinnversprechen und falsche Amtsträger. Auch wenn in über 90 % der Fälle die Betrüger mit ihren phantasiereichen Geschichten die Mitbürger(innen) nicht überzeugen konnten, so trifft es die Opfer monetär sehr hart, die den Betrügern ihren Glauben schenkten. Landesweit wird so jährlich ein Schaden in Millionenhöhe verursacht. Hier sind stetige, vorbeugende Maßnahmen aus allen Richtungen von enormer Bedeutung. Alle Mitmenschen sind gefragt, ihre Liebsten wiederholt vor diesen Trickbetrügern zu warnen. Die Betrüger dürfen nicht über einen Betrugsversuch hinauskommen.

Im Jahr 2020 nahmen Sachbeschädigungen von Graffiti einen Anteil von 4,4 % an der Gesamtstraftatenanzahl ein. Sie haben im Vergleich zu 2019 um 11,2 % zugenommen (2019: 748; 2020: 832).

Das Corona-Pandemiejahr 2020 stellte alle Menschen in unterschiedlichsten Hinsichten vor eine besondere Herausforderung. Das alltägliche Leben musste oftmals anders organisiert werden, was verschiedene Bereiche betraf: Ob Arbeit, Schule, Kindergarten, Betreuung von jungen, alten oder pflegebedürftigen Personen. Die Verhaltensweisen änderten sich in vielen Lebenslagen und das Virus wirkte sich dabei auch auf die Polizeiliche Kriminalstatistik aus.

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Quelle: Presseportal