Regensburg (ots) – Wer Sport treibt und schätzt, der weiß: Es ist eines dieser Themenfelder, in dem sich auf spielerische Weise und mit Leichtigkeit so vieles so viel einfacher erreichen lässt als mit bierernster Methodik und staatstragenden Reden. Soziale Kompetenzen, Disziplin und Durchhaltevermögen – um nur ein paar Beispiele zu nennen – werden vielfältig trainiert. Die Dorfplatz-Erfahrung und Erfahrung, wie ein Team erfolgreich ist, hilft in fast allen Lebenslagen besser als so manches hochpreisige Seminar von feinsten Theoretikern.

Ebenfalls klar ist: Die Helden ganz oben liefern den Kleinen ganz unten sehr oft die nötige Orientierung, was machbar ist, und dazu auch noch den Ansporn, es ihnen gleichzutun. Und nirgendwo ist diese Idee vielfältiger abgebildet als in Olympischen Spielen, wo für jeden etwas dabei ist. Oder eben in den Paralympics, die jetzt wieder beginnen.

Es ist schön zu sehen, dass in der Wahrnehmung der Sport der so unterschiedlich eingeschränkten Menschen immer mehr Platz findet und die Bedeutung über die vergangenen Jahrzehnte durchaus zugenommen hat. Fakt ist: Behindertensportler betreiben längst genauso aufwändig Leistungssport, wie es ihre nicht-behinderten Kollegen tun. Und die Geschichten dahinter sind sogar oft noch intensiver, noch bedeutungsvoller und noch beeindruckender.

Freilich ist ein Problem des Menschen, dass er gute Ideen gerne missbraucht. Siehe das Duell der politischen Systeme, das gerne auch mal via Sport ausgetragen wird und das (vermeintlich) gewonnen hat, wer mehr Medaillen holt. Und noch ein Problem: Der Mensch vergleicht eben so unglaublich gerne. Frauen bekommen das im Sport ja ebenfalls oft zu spüren. Nicht in allen Sportarten, aber doch in manchen, wird bewertet, dass die eine Leistung hochwertiger wäre als die andere. Das ist aber sicher nicht der Fall, sondern eben nur eine Geschmackssache. Denn oft ist diese Leistung nur eines: nämlich anders! Und das gilt auch im Behindertensport.

Es ließ sich schon bei Olympia trefflich streiten, ob eine Zusammenkunft von Sportlern aus der ganzen Welt in diesen Covid-Tagen in dieser Form angebracht und angemessen ist. Die Diskussion gilt sicher für Sportler, deren Probleme auch gesundheitlicher Natur sind, noch einmal in verschärftem Maße. Doch Tokio, Teil eins (Olympia) und Tokio, Teil zwei (Paralympics) sind in einem exakt gleich: Die Athleten sind heilfroh, dass die Spiele stattfinden, weil sie jahrelang vieles im Leben diesem manchmal nur einen besonderen Moment, diesem ganz besonderen Ziel untergeordnet haben und jetzt den verdienten Lohn dafür ernten wollen.

Die zweifelsfrei wieder spektakulären Bilder von den Paralympics werden auch wieder helfen zu erkennen, was körperlich eingeschränkte Menschen imstande sind zu leisten. Das bringt Nicht-Betroffene zum Staunen, eröffnet aber auch Angehörigen und manches Mal sogar den Sportlern selbst nicht selten eine ganz neue Betrachtungsweise. Denn mit im Sport erreichten Zielen steigt auch das Selbstbewusstsein im normalen Leben. Das bekannte Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“ passt auch hier.

Und noch ein Aspekt des realen Lebens ist betroffen: Noch immer ist der Umgang mit behinderten Menschen bestimmt von bisweilen sehr großer Unsicherheit. Die Betroffenen selbst wollen keine Bevorzugung, nur eine Berücksichtigung ihrer Belange: Die so oft zitierte Inklusion liegt auch im Umgang und damit in den Händen jedes Einzelnen. Dabei können auch diese Paralympics im besten Falle wieder einen Schritt weiterhelfen. Es ist zwar vieles besser geworden, aber es bleibt noch viel zu tun. Für jeden, nicht nur, aber schon auch in Deutschland.

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