Berlin (ots) –

Nicht wenige Sozialdemokraten, die in der Partei Karriere machen, waren in ihrer Jugendzeit sehr links. Noch heute erklären die Jusos, dass sie eine sozialistische Gesellschaft anstreben. Doch Menschen ändern sich, wenn sie in Kompromisse eingebunden werden und Annehmlichkeiten schätzen lernen, die bestimmte Positionen und Ämter mit sich bringen. So wird es wohl auch einigen der 49 Jungsozialisten ergehen, die nun für die SPD in den Bundestag eingezogen sind. Die Vorsitzende des Jugendverbands, Jessica Rosenthal, weiß, dass sie mit diesen Abgeordneten eine Hausmacht in der Fraktion hat und der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Olaf Scholz nicht einfach über die Interessen und Anliegen der jungen Menschen hinweggehen kann. Deswegen hat sie Scholz nun aufgefordert, den Parteinachwuchs in die Sondierungsgespräche mit Grünen und FDP einzubinden.

Scholz kann der Zusammenarbeit mit den Jusos aber gelassen entgegensehen. Sonderlich radikale Forderungen muss er nämlich nicht befürchten. Die Jungsozialisten wollen nach den Worten ihrer Vorsitzenden noch nicht einmal, dass es bei den Verhandlungen über eine neue Bundesregierung rote Linien gibt. Derzeit ist zu hören, dass sich die Jusos für einen früheren Kohleausstieg einsetzen wollen. Bei diesem Thema muss wohl ohnehin ein Kompromiss mit den Grünen gefunden werden. Das weiß auch Scholz. Hinzu kommt, dass der SPD-Spitzenmann seinen Laden sehr gut kennt. Scholz war früher Marxist und gehörte zu den jungen Sozialdemokraten, die die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus vertraten. Den in der Partei nicht ungewöhnlichen Weg zum eher konservativen Sozialdemokraten hat er schon längst abgeschlossen. Er weiß, dass ihm da so manche junge Genossen folgen werden.

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