Berlin (ots) – Es ist offensichtlich: Die Gegner der kubanischen Revolution versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen. Und es ist ebenso offensichtlich: Die Kubaner, die auf die Straße gehen, leiden vielfach in der Tat an Mangel – von Grundnahrungsmitteln über Medikamente bis zur Stromversorgung. Der Mangel ist ebenso real wie die Frustration vieler, vor allem junger Kubaner, die die Errungenschaften der Revolution für selbstverständlich nehmen, auch wenn ihnen das Internet illustriert, dass Bildung und Gesundheitsversorgung bei den karibischen und lateinamerikanischen Nachbarn nur den Besserverdienenden ausreichend zur Verfügung stehen.

Es ist das Internet, das die größten Mobilisierungen gegen die Regierung seit der Revolution 1959 möglich machte. Ob die Demonstranten Ausdruck der Frustration einer lautstarken Minderheit sind oder für eine wirkmächtige Gruppe stehen, ist noch offen.

Klar ist: Kubas Wirtschaft steckt im Zangengriff zwischen einer verschärften US-Blockade und der Corona-Pandemie. Diese beiden Faktoren führen, sich gegenseitig verstärkend, zu einer Verschlechterung der Versorgungslage. Für beide externe Faktoren kann die kubanische Regierung so wenig wie für den Zusammenbruch des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der Kuba in den 90er Jahren in die bis dahin schwerste Krise stürzte. So drastisch ist die Lage derzeit real sicher nicht. Doch noch 2019 besuchten 4,3 Millionen Touristen die Insel und ließen dringend benötigte Devisen im Land. Devisen, mit denen unter anderem Nahrungsmittel importiert werden müssen, denn Kuba ernährt sich zu zwei Dritteln von außen. Alle Agrarreformen zur Steigerung der Produktivität blieben unzureichend. Kuba muss an seinen internen Schwächen ansetzen, um den externen Faktoren weiter trotzen zu können. Der Druck dafür ist derzeit so groß wie lange nicht.

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