Berlin (ots) –

Die Älteren werden sich erinnern: Nach 1990 gab es großzügige Dotationen für westdeutsche Beamte und Professoren, die in eine brandenburgische Behörde oder an eine Leipziger Hochschule wechselten. Jemand hat dieses Geld mal „Buschzulage“ genannt. Egal, woher er kommt: Der Begriff beschreibt den Blick der Westdeutschen damals sehr gut. Zu 99 Prozent hatten sie nie den Hauch eines Zweifels an der Überlegenheit ihres Gesellschaftssystems gegenüber dem der gerade geschluckten DDR. Sie waren zutiefst überzeugt von ihrer Mission der Erziehung der Ostdeutschen zu Demokraten. Einige lernten das Zuhören und den Austausch auf Augenhöhe. Die meisten aber betrachteten ihre Positionen als natürliches Anrecht – und übergaben Richter- und Staatssekretärsstellen, Professuren, Chefredakteurs- und Geschäftsführerposten rechtzeitig an vertrauenswürdige Nachfolger aus dem eigenen „Stall“.

Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass auch 30 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik das Gros der „Topjobs“ Ost in westdeutscher Hand ist. Ein weiterer sind die bis heute üblichen sogenannten Regelüberprüfungen für Ostdeutsche. Denn nach 1990 wurden im Osten Gesinnungstests eingeführt, die im Westen Jahre zuvor zusammen mit dem Radikalenerlass suspendiert worden waren. Selbst nach 1989 Geborene müssen mitunter Formulare ausfüllen, in denen angegeben werden soll, ob man Mitglied in DDR-Massenorganisationen war. Die Brandmarkung der DDR-Gesellschaft als „Unrechtsregime“ war die Grundlage für die Beurteilung Hunderttausender Biografien von Pädagogen, Behördenmitarbeitern und Hochschullehrern. Quotierungen werden an der so erzeugten nachhaltigen Ost-West-Spaltung vorerst nichts ändern.

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