Fulda (ots) – Bilder sagen mehr als Worte – und so war es auch beim ersten (und letzten) Empfang der Kanzlerin im Weißen Haus von Joe Biden. Wir erinnern uns noch gut an die Eiseskälte, die 2017 herrschte, als Bidens Vorgänger Trump Merkel einen Handschlag verweigerte – deutlicher hätte ein US-Präsident seine Verachtung der deutschen Regierungs­chefin nicht ausdrücken können. Im krassen Gegensatz dazu Biden, der die Kanzlerin hofierte, mit freundlichen Floskeln überschüttete, sie mit knusprigem Wolfsbarsch und Vanilleeis verwöhnte – und von der allzu großen Betonung der Kontroversen im deutsch-europäisch-amerikanischen Verhältnis absah. Selbst beim Dauerstreitthema Nord Stream 2 wurde auf die Gemeinsamkeiten verwiesen. Die aus US-Sicht viel zu geringen Verteidigungsausgaben – von Trump regelmäßig wie ein Mantra in Richtung Europa geschrien – waren den beiden keine einzige Silbe wert.

Wie ehrlich ist die Botschaft, die die Bilder aus Washington vermitteln? Was Biden betrifft, so scheint in der Tat ein neues Kapitel im deutsch-amerikanischen Verhältnis geschrieben zu werden. Der Mann aus Fuldas Partnerstadt Wilmington zeigt sich in seinen ersten Monaten als Präsident konziliant, kompromissbereit und bescheiden, wohl wissend, dass Trump auf der Weltbühne viel Porzellan zerschlagen hat. Doch dahinter darf auch Kalkül vermutet werden: Bidens Baustellen liegen daheim in den USA, wo eine zerrissene Gesellschaft in einem maroden Land in die Zukunft geführt werden will. Das kostet alle Kraft des 78-Jährigen, der in den kommenden Jahren knapp eine Billion Dollar in die Hand nehmen will, um sein Land zu sanieren und Millionen Jobs zu schaffen.

Deshalb sollte man sich keiner Illusion hingeben: Auch wenn die Konfliktthemen derzeit nicht ganz oben auf seiner Agenda stehen – sie werden irgendwann wieder auftauchen. Merkel war dafür am Ende ihrer Amtszeit nicht mehr die adäquate Gesprächspartnerin, auch sie mied es, Themen wie Strafzölle oder die Macht der US-Internetgiganten zu thematisieren. Auch die Kanzlerin hat mit der Hochwasser-Katastrophe und der Corona-Pandemie derzeit andere Sorgen. Und so gibt es keinen Zweifel: Auch ein Bundeskanzler Laschet oder Scholz oder eine Bundeskanzlerin Baerbock werden von Biden irgendwann mit Handschlag empfangen, allerdings mit mehr Härte in der Sache. „America First“ bleibt unter Biden Maxime der US-Politik. / Bernd Loskant

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