Bonn (ots) – Der außenpolitische Sprecher der Bundestagfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Omid Nouripour, befürwortet Gespräche mit den Taliban in Afghanistan, um weitere Ortskräfte aus dem Land herauszuholen. „Wenn wir die Leute retten wollen, müssen wir mit den Taliban reden“, sagte Nouripour im phoenix-Interview. Die neuen Machthaber würden einen hohen Preis dafür verlangen, dass sie Afghanen aus dem Land ließen. Nouripour kritisierte die Bundesregierung, „durch Unterlassung das Heft des Handelns“ an die Taliban übergeben zu haben. „Wir sind jetzt erpressbar durch die Taliban, wenn wir die Leute dort befreien wollen.“

Der Grünen-Politiker warf der gesamten Bundesregierung Untätigkeit vor, keines der zuständigen Ministerien habe etwas veranlasst, die Ortskräfte herauszuholen, als sich der Vormarsch der Taliban abzuzeichnen begann. Der Außenminister habe einseitig nur auf gute Berichte aus Afghanistan gehört. Die Federführung der Evakuierung liege jetzt zwar bei Außenminister Heiko Maas, doch sei er nicht der einzige Minister, der versagt habe. Die politische Verantwortung jetzt auf den Bundesnachrichtendienst abzuschieben, wie es einige Mitglieder in der Bundesregierung gerade täten, halte er für „schäbig“. Das Personal des BND sei in den vergangenen Jahren in Afghanistan zusammen mit der Bundeswehr massiv abgebaut worden. „Der Nachrichtendienst kann nicht das kompensieren, was die Politik am Ende des Tages nicht gemacht hat“, sagte Nouripour.

An eine Mäßigung der Taliban glaubt Nouripour nach eigenen Worten nicht. Die Taliban hätten in den letzten Monaten sehr viel versprochen, um den Abzug des Westens zu erreichen. „Sie haben aber in vielen Provinzen so viele Versprechen schon gebrochen.“ Auch als die Taliban 1996 das erste Mal an die Macht gekommen seien, seien Film- und Musikverbote sowie der Verschleierungs- und Bärtezwang erst nach und nach gekommen. Man könne den Versprechen der Taliban nicht trauen.

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