Mainz (ots) –

Was sich in den vergangenen Tagen in Berlin in Sachen neue Corona-Regeln abgespielt hat, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in eineinhalb Jahren Pandemie. Der rot-rot-grüne Senat der Hauptstadt hat ein strenges „2G“-Optionsmodell beschlossen, nach dem Veranstalter nur Geimpfte und Genesene zulassen können, wenn sie dies wollen. Ohne Ausnahme – auch nicht für Kinder unter zwölf, die noch gar nicht geimpft werden können. Die Folge: Unter-Zwölfjährige würden so von weiten Teilen des öffentlichen Lebens praktisch ausgeschlossen, mitsamt ihren Familien. Eine Entscheidung, die von fehlender Empathie, von Ahnungslosigkeit und politischer Dummheit nur so strotzt. Nach einem Proteststurm lässt die Landesregierung die Ausnahmen nun doch zu, immerhin. Es hätte abermals die Falschen getroffen: Kinder sind, entgegen aller gegenteiligen Befürchtungen zu Beginn der Krise, nicht das Problem in dieser Pandemie. Weder als Virus-Verbreiter, noch als Kranke. Natürlich sind die Sorgen vieler Eltern, ihre Kinder könnten sich infizieren und krank werden, verständlich; aber das Risiko für schwere Verläufe ist bei ihnen nach wie vor vergleichsweise sehr gering. Darauf weisen Kinderärzte und deren Verbandsvertreter seit vielen Monaten hin. Es gibt ein noch schwer einzuschätzendes Risiko von Long-Covid-Folgen auch bei leichten Verläufen. Dem gegenüber stehen aber die schon jetzt sehr deutlichen, teils dramatischen Folgen der Corona-Einschränkungen für sehr viele Kinder. Vor allem durch die monatelangen Schulschließungen, aber auch durch Kontaktbeschränkungen in der Freizeit, in Sportvereinen etwa. (Nebenbei: Seit die Schulen wieder offen sind, sind die Infektionszahlen wieder gesunken – nachdem sie zuvor in den Ferien, also außerhalb, stark gestiegen waren.) Kinder, Jugendliche, Schüler dürfen nicht ständig weiter belastet werden – es ist gut, dass die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz bei ihren neuen Corona-Regeln darauf geachtet haben und versuchen, Augenmaß zu bewahren. Auch wenn die Politik auch bei uns wohl nachbessern muss. Wie sich die Quarantäneregeln in Schulen tatsächlich auswirken, muss sich in der Praxis zeigen. Und wenn Sportvereine zum Beispiel in Rheinland-Pfalz wegen der Auflagen große Probleme sehen, weil der gesellschaftliche Konflikt um 2G und 3G, zwischen Geimpften und Ungeimpften, nun auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird – dann muss die Regierung das ernst nehmen und eine andere Lösung finden. Es ist das erklärte Ziel der Politik, den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Aber noch mal: Kinder und Jugendliche sind dabei das völlig falsche Angriffsziel.

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