Vaduz (ots) – Erstmals wurde in Liechtenstein ein freiwilliger Klimaverträglichkeitstest für den Liechtensteiner Finanzmarkt durchgeführt. Der international koordinierte Test soll als erste Standortbestimmung zur Ausrichtung des Finanzmarktes auf die Ziele des Übereinkommens von Paris dienen und unterstützt die Anstrengungen der Finanzinstitute, ihre Investitionen in klimaverträgliche Bahnen zu lenken. Die Resultate zeigen, dass die Investitionen der teilnehmenden Institutionen in einigen Wirtschaftssektoren noch nicht auf einen klimaverträglichen Zielpfad ausgerichtet sind. Es zeigt sich aber auch, dass im liechtensteinischen Finanzsektor ein wachsendes Bewusstsein für das Thema besteht. Der Gesamtbericht zum Klimatest in Liechtenstein in Englisch sowie eine Kurzfassung in Deutsch stehen unter www.regierung.li/nachhaltigefinanzen zum Download zur Verfügung.

Mit dem Artikel 2.1c des Übereinkommens von Paris wurde 2015 das politische Mandat geschaffen, die Finanzmittelflüsse in Einklang zu bringen mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung. Als Reaktion auf diesen Auftrag wurde die Überprüfung und Verringerung von Emissionen aus Investitionen via Finanzanlagen als eines der Ziele in der Klimavision 2050 definiert, welche im Oktober 2020 von der Regierung vorgestellt wurde.

Im März 2020 hat die Regierung beschlossen, am international koordinierten Klimaverträglichkeitstest PACTA 2020 teilzunehmen. Der Test wurde vom gemeinnützigen und globalen Think Tank 2° Investing Initiative durchgeführt und misst die Kompatibilität der Anlagen in den klimarelevanten Sektoren mit dem obengenannten Ziel des Übereinkommens von Paris mit Hilfe der PACTA-Methode (siehe Kasten). Banken, Vermögensverwalter, Pensionskassen und Versicherungen konnten im Jahr 2020 freiwillig und kostenlos an diesem Test teilnehmen. Im Jahr 2020 wurde die Klimaverträglichkeitsprüfung bereits in der Schweiz und in Liechtenstein umgesetzt. Die Analyse wird im Jahr 2021 in weiteren europäischen Ländern wie Österreich, Luxemburg, Norwegen und Schweden fortgesetzt.

Teilnahme unter den Erwartungen

14 Institutionen in Liechtenstein nahmen am PACTA-Test teil. Die Teilnehmerzahl lag somit unter den Erwartungen. Durch diesen relativ kleinen Pool der analysierten Institutionen können die aggregierten Resultate im Länderbericht für Liechtenstein nicht als repräsentativ für den gesamten Finanzmarkt angesehen werden. Jedoch umfasst die Analyse führende Institutionen in ihren Branchen, was die Ergebnisse gemäss den Autoren (2° Investing Initiative) zu einem guten Indikator für die aktuelle Ausrichtung auf die Prinzipien des Pariser Abkommens macht.

Resultate zeigen Verbesserungspotential auf

Die Ergebnisse zeigen, dass die liechtensteinischen Teilnehmer in Sektoren mit hohen Emissionsintensitäten deutlich exponiert sind. Rund 4 % der börsennotierten Aktien- und 5-7 % der Unternehmensanleihen-Portfolios der teilnehmenden liechtensteinischen Finanzinstitute sind in die direkte Förderung von Öl und Gas sowie in den Kohleabbau investiert.

Für den Stromsektor liegt die Exposition der Finanzinstitute zwischen 2-8%. Analog zur Schweiz investiert der Liechtensteiner Finanzplatz heute viermal mehr Mittel in Firmen, die Strom aus fossilen Quellen wie Kohle und Gas erzeugen, als in Produzenten von erneuerbarem Strom.

Die derzeitigen Investitionen der teilnehmenden Institute sind insbesondere bei der Kohle- und Ölförderung, der Kohlekraftwerkskapazität und der Produktion von PKWs und schweren Nutzfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nicht auf ein nachhaltiges Szenario ausgerichtet. Ein positives Bild zeigt sich bei den Investitionen in die Produktion von Elektrofahrzeugen, hier bewegen sich die meisten analysierten Portfolios auf einem klimaverträglichen Entwicklungspfad.

Wachsendes Bewusstsein im Finanzplatz

In der ergänzenden, optionalen Befragung zum Test gaben 88% der Befragungsteilnehmer an, eine Klimastrategie zur verfolgen oder sich gegenwärtig im Prozess zu befinden, eine solche zu entwickeln. 70% der Massnahmen wurden in 2019 oder später ergriffen, was auf ein schnell wachsendes Bewusstsein für das Thema Klima im Finanzplatz hindeutet. Zu den von den Teilnehmern am häufigsten verwendeten Klimastrategien gehören „Engagement“, der Ausschluss von Kohle, die Ausübung von Stimmrechten sowie Best-in-Class-Ansätze. Die Strategien werden jedoch nicht konsequent über das gesamte Portfolio angewendet und zeigen sich noch nicht in den Ergebnissen der Klimaverträglichkeitsanalyse. So halten beispielsweise alle Teilnehmenden, die eine Ausschlusspolitik für Kohle angaben, noch Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die Kohle abbauen oder Kohlestrom produzieren. Dreiviertel der Befragungsteilnehmer gaben an, Mitglied in mindestens einer Organisation zu sein, welche sich für nachhaltiges Investieren einsetzt (z.B. Swiss Sustainable Finance oder UN Principles for Responsible Investment).

Ausblick

Zusammen mit den Testergebnissen wird den Finanzinstituten ein interaktiver Leitfaden (der sog. Climate Action Guide) zur Verfügung gestellt. Dieser hilft dabei, wirksame Klimamassnahmen zu planen und umzusetzen. Gerade im Hinblick auf die kommenden EU-Regulierungen kann dies für Unternehmen hilfreich sein, um sich so gut wie möglich auf künftige Verpflichtungen vorzubereiten.

Während Methoden zur Messung der Klimaausrichtung von Finanzinstitutionen inzwischen verbreitet sind und sich etablieren konnten, steht die Wissenschaft bei der Frage nach den realen Auswirkungen (Impact) der von Finanzinstitutionen ergriffenen Klimastrategien und -massnahmen noch am Anfang. Aufgrund der sehr grossen, weltweiten Dynamik im Bereich nachhaltiges Investieren, darf jedoch davon ausgegangen werden, dass auch zu dieser Frage bald neue Erkenntnisse vorliegen.

Wie bereits im März angekündigt, wurden auch die extern verwalteten Vermögen des Landes im Rahmen von PACTA 2020 auf ihre Klimaverträglichkeit überprüft. Die Resultate werden derzeit durch die Landeskasse analysiert und eine Kommunikation der Ergebnisse erfolgt nach Abschluss dieser Analyse.

Factbox

PACTA Methode für den Klimaverträglichkeitstest

Der Klimaverträglichkeitstest wird unter dem Titel PACTA 2020 (Paris Agreement Capital Transition Assessment) durchgeführt. Die PACTA-Methode ist eine standardisierte Analyse für globale Aktien, Unternehmensanleihen und Kreditportfolien. Sie wurde vom unabhängigen, internationalen und gemeinnützen Think Tank 2°Investing Initiative entwickelt und wird von zahlreichen Finanzinstituten und Staaten angewandt. Dabei werden die Produktionspläne der in den Portfolien enthaltenen Firmen mit einer Entwicklung verglichen, die gemäss Internationaler Energieagentur IEA nötig ist, um die maximale Erwärmung auf 1,5°Grad Celsius zu begrenzen. Die Analyse umfasst die vier Sektoren Förderung fossiler Energien, Stromerzeugung, Transport (Automobilproduktion, Schifffahrt und Flugverkehr) sowie Industrie (Zement und Stahl), für welche klimaschädigende wie auch alternative, klimaverträgliche Technologien untersucht werden. Mit der Analyse dieser klimarelevanten Sektoren können 70-90 Prozent der über die Kapitalmärkte indirekt verbundenen Emissionen erfasst werden. Ergänzend zu den Tests gibt eine qualitative Umfrage Aufschluss über klimarelevante Investitionsstrategien der Teilnehmenden. Zusätzlich zeigt ein Stresstest Risiken auf. Der standardisierte Test zeigt den Finanzinstituten, wo ihre Finanzprodukte und Investitionen in Bezug auf Klima im Vergleich zu ihren Konkurrenten stehen. Den Teilnehmenden steht frei, ob sie ihre Ergebnisse nur für interne Folgearbeiten verwenden oder offenlegen.

Pressekontakt:

Ministerium für Präsidiales und Finanzen
Mario Thöny
T +423 236 60 15
Mario.Thoeny@regierung.li

Original-Content von: Fürstentum Liechtenstein übermittelt durch news aktuell

Quelle: Presseportal