Düsseldorf (ots) –

Kriegsbilanzen sind von Natur aus zynisch. Denn Kriege sind in Wahrheit nicht zu gewinnen. Es geht letztlich nur darum, wer das Schlachten weniger verliert. Nun schaut die Welt seit gut einer Woche nach Europa. Russland hat die Ukraine überfallen. Und alle, die auch an dieser Stelle dachten, der Feldzug sei in wenigen Tagen beendet, sehen sich bitter getäuscht. Die Zahl der Opfer auf beiden Seiten wächst und mit ihr wächst die Verzweiflung der Mütter und Kinder in der Ukraine, die ihre Männer, Söhne und Väter verlieren, und es wächst die Verzweiflung der Mütter und Kinder in Russland, die dieses Schicksal teilen. Verlierer auf beiden Seiten. Gewinner gibt es auch dann nicht, wenn Putins Streitkräfte eine mittlere Großstadt erobern können, während Nato und EU sich über eine ungewohnte Einheit freuen. Siege in einem Krieg sind nicht von Dauer. Diese Erfahrung sollte gerade Europa nach dem blutigen 20. Jahrhundert gemacht haben.

Deshalb muss das Sterben in der Ukraine ein Ende haben. Es wäre weise, auf Zeit zu spielen, in dem die tapfere ukrainische Regierung Kapitulation anböte – um den Preis, dass ihre Galionsfigur Wolodymyr Selenskij ins Exil gehen darf. Es wäre weise, weil das organisierte Sterben dann endete. Und es wäre weise, weil ohnehin sicher ist, dass Putin die Schlacht um das Nachbarland gewinnen wird. Früher oder später. Zu vieles spricht dafür, dass dieser Mann keine Grenzen mehr kennt. Aber den Krieg verliert der Despot. Er verliert ihn, weil er die Herzen des Nachbarvolkes nicht gewinnen kann. Er verliert ihn, weil er das Land verliert, für dessen Interessen er im Wahn glaubte, den Frieden opfern zu müssen. Er verliert ihn, weil seine korrupten Freunde ihn fallenlassen werden, um den Rest ihres Reichtums zu retten. Putin wird bezahlen.

Wenn all diese Annahmen richtig sind, dann ist es auch richtig, am achten Tag des Krieges Waffenlieferungen an die Ukraine zu überdenken, aber humanitär und beim Wiederaufbau zu helfen. Das Verlängern dieses Kampfes ändert mit Sicherheit nichts am Ergebnis, sondern erhöht die Zahl der Opfer.

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