Berlin (ots) –

Eberhard Diepgen, langjähriger Regierender Bürgermeister von Berlin, setzt große Hoffnungen in die neue Bundesstiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Sie könne „einen Beitrag zur deutschen Identitätsfindung leisten und Demokratie in historische Zusammenhänge setzen“, sagte Diepgen der „Heilbronner Stimme“. Der 80-jährige CDU-Politiker wurde zum Sachverständigen der Stiftung berufen, für deren Gründung der Bundestag 2021 grünes Licht gegeben hatte. Diepgen betonte: „Eine Demokratie muss sich immer wehrhaft gegen innere und äußere Gefährdungen stellen. Ich denke an verfassungsfeindlichen Extremismus von rechts und links, an Misstrauen gegen jede Form von staatlicher Autorität und auch Formen der Handlungsunfähigkeit des Staates, die Sehnsucht nach autoritären Strukturen entwickeln können.“

Diepgen betonte: „Wichtige gesellschaftliche Institutionen, die zur Stabilität Deutschlands beigetragen haben, wie Kirchen oder Gewerkschaften, sind schwächer geworden, aber wir brauchen sie. Es geht darum, Vorbilder und demokratische Entwicklungen lebendig werden zu lassen.“

Der Christdemokrat fügte hinzu: „Unsere Erinnerungskultur muss die Menschen umfassen, die für Freiheit und Demokratie eingestanden sind. Vorbilder sind diejenigen, die in einem totalitären System Widerstand geleistet haben, die für Ihre Freiheit auf die Straße gegangen sind, die anderen in der Not geholfen haben. Diesen Frauen und Männern würde ich gerne mehr Straßenschilder widmen. Aufrechter Gang ist möglich, aber nicht immer so einfach.“

Diepgen sagte weiter: „Ich möchte die Daten der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte, die Helden und Wegbereiter von Freiheit und Demokratie stärker mit dem kollektivem Bewusstsein in Deutschland verbinden. Mit einzelnen Projekten und der Verbindung mit Orten der Demokratiegeschichte kann diese Stiftung ein breiteres Bewusstsein für die demokratische Entwicklung schaffen. Die Neugier auf das, was vor der Haustür geschah, soll genutzt werden. Diese Neugier kann auch den aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnissen einer Migrationsgesellschaft entsprechen. Die Vorbilder unserer Demokratie sollen Menschen aus anderen Kulturkreisen Inspiration sein.“

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