Zürich (ots) –

Im Vergleich zum Vorjahr mit 1161 Beanstandungen nahm die Zahl im Jahr 2021 nur unwesentlich ab. Es gingen 1114 Beanstandungen ein. Grund war wie schon 2020 die Corona-Pandemie. Auffallend ist die Häufung der konzertierten „Sammelbeanstandungen“.

Die Abstimmungsvorlagen gehen neben „Corona“ unter

Obwohl im Berichtsjahr gewichtige und in der Öffentlichkeit stark beachtete Abstimmungsvorlagen an die Urne gelangten, gingen diese in der Flut an Beanstandungen gegen die Berichterstattung zu „Corona“ unter. Hauptkritikpunkte waren ein „Overkill“ und damit eine Vernachlässigung anderer Themen, eine zu regierungstreue Berichterstattung, die Verteufelung der Impfskeptiker:innen sowie eine zu wenig ausführliche Beachtung der Demonstrationen von Massnahmengegner:innen.

Allerdings stellte die Ombudsstelle in den wenigsten Fällen eine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots fest. SRF hat mehrheitlich ausgewogen und den Aktualitäten der Ereignisse angemessen berichtet. Das deckt sich auch mit dem Eindruck der Bevölkerung, die den getroffenen Massnahmen der Behörden mehrheitlich zustimmte. Das Gros der Beanstander:innen entsprach denn auch nicht dem Durchschnitt der Rezipient:innen, sondern die Vertreter:innen der Minderheitsmeinungen verschafften sich überdurchschnittlich viel Gehör. So ging knapp ein Dutzend Beanstandungen ein gegen die „Rundschau“ vom 2. Februar 2021 unter dem Titel „Ärzte im Visier: Behörden gegen Corona-Skeptiker“.

Aber auch der „Club“ vom 3. August führte zu 27 Beanstandungen. Dort wurde mehrheitlich kritisiert, man habe den Corona-Skeptiker:innen eine zu grosse Plattform geboten und die Redaktion sei der „False Balance“ unterlegen. Die Ombudsstelle wies die Beanstandungen unter anderem mit der Begründung ab, diese „falsche Ausgewogenheit“ betreffe primär den Wissenschaftsjournalismus. Beim „Club“ handelte es sich aber um eine gesellschaftspolitische Diskussion. Zudem hielt die Ombudsstelle fest, dass die Ausgewogenheit nicht nach mathematischen Regeln zu beurteilen sei. Eine Feststellung, die sie immer wieder auch bei anderen Sendungen machte, die wegen mangelnder Ausgewogenheit kritisiert wurden.

Ombudsstelle und UBI stellen SRF gutes Zeugnis aus

Überhaupt stellt die Ombudsstelle SRF trotz aller bekannten Angriffe auf den öffentlichen Sender mit über 90 Prozent abgewiesener Beanstandungen ein gutes Zeugnis aus. Ein Befund, den auch die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI) stützt: 2021 gingen 23 Beschwerden ein. 3 betrafen Sendungen von 2020, 20 das Jahr 2021. Von den 2021 behandelten Beschwerden wurde eine gutgeheissen.

Gendersprache und Energiepolitik

Wiederholt stiessen sich die Beanstander (die männliche Form ist hier bewusst gewählt) am Umgang der Geschlechtsformen bei SRF. Die Ombudsstelle stützt die SRG, das als Unternehmen alle Bevölkerungsteile umfasst und der Gleichberechtigung Rechnung trägt. Die deutsche Sprache ist kein starres Konstrukt, sondern wandelt sich fortlaufend und berücksichtigt den gesellschaftlichen Wandel zu Recht.

Häufiger als in den vergangenen Jahren wurde die Berichterstattung über die Energiepolitik bzw. über Erneuerbare Energien beanstandet. Was angesichts der neusten Entwicklungen nicht erstaunlich ist. Hier stellte die Ombudsstelle wiederholt fest, dass tatsächlich einseitig berichtet wurde und beispielsweise die Stimmen zu kurz kamen, die sich skeptisch gegenüber der Versorgungssicherheit nur mit Erneuerbaren Energien aussprachen.

Kommentare und Netiquette

Immer häufiger gehen bei der Ombudsstelle Beanstandungen gegen die Handhabung der Kommentarspalten ein. Diese sei nicht neutral, intransparent und willkürlich. Das Aufschalten und Löschen von nutzergenerierten Kommentaren fällt allerdings nicht in die Zuständigkeit der Ombudsstelle, sondern allenfalls in diejenige des Bundesamts für Kommunikation, soweit die Netiquette betroffen ist. Materiell wird die Ombudsstelle tätig, wenn die Redaktion innerhalb der Kommentarspalten zusätzlichen redaktionellen Inhalt generiert.

Trend zu „Sammelbeanstandungen“

Politische Repräsentanten und Organisationen organisieren sich immer häufiger in dem Sinn, als sie über die Sozialen Medien oder ihre internen Kanäle dazu aufrufen, bei der Ombudsstelle Beanstandungen einzureichen. Das führt dazu, dass Beanstandungen zu einer Sendung mit ähnlichem Wortlaut dutzendfach eingereicht werden. Die Redaktionen und auch die Ombudsstelle verfassen deshalb immer häufiger eine redaktionelle Stellungnahme und einen einzigen Schlussbericht. Administrativ ist der Aufwand trotzdem erheblich.

Weitere Informationen und den vollständigen Jahresbericht der Ombudsstelle finden sich unter folgendem Link: https://www.srgd.ch/de/aktuelles/news/2022/04/05/jahresbericht-ombudsstelle-die-welle-der-beanstandungen-reisst-nicht-ab/#

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Über die Ombudsstelle SRG.D

Die Ombudsstelle als Institution gibt es im Rundfunkbereich seit 1992. Sie dient erstens dazu, dem Publikum direkt und unkompliziert zu kontaktierende Ansprechpartner:innen zur Verfügung zu stellen. Zweitens fungiert sie als Vermittlungsinstanz vor dem Begehen des Rechtswegs. Und drittens entlastet sie die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). So war und ist auch die Ombudsstelle der SRG.D gleichzeitig offenes Ohr für die Anliegen des Publikums und Verteidigerin der Pressefreiheit.

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Quelle: Presseportal