Mainz (ots) – Die Tat von Würzburg platzt mitten hinein in diese Sommertage, in denen alles wieder so schön werden sollte: Die Corona-Zahlen sinken, die Tage sind lang, die Temperaturen hoch; man darf sich wieder in größerer Runde treffen, neue Lebensfreude ist im Land zu spüren. Da sticht ein 24 Jahre alter Somalier in der fränkischen Stadt scheinbar wahllos auf Menschen ein. Eine Terrortat? Die Antwort auf diese Frage ist nicht wirklich entscheidend – weil die Grenzen zwischen Wahn und Fanatismus fließend sind, das kennt man ja auch von anderen Fällen. Womöglich hat sich der Asylbewerber von Würzburg wegen seiner psychischen Erkrankung radikalisiert. Wirklich wichtig bleibt die Frage, ob der Umgang der Behörden mit ihm richtig war. Hätten sie die von ihm ausgehende Gefahr nicht erkennen müssen angesichts des einen oder anderen Vorfalls in den vergangenen Monaten? Aber, und da wird es dann politisch: Hatten die Behörden denn auch genug Personal, um dem nachzugehen? Es wird jedenfalls darauf ankommen, diesen Fall mit all seinen Besonderheiten, mit einem womöglich kranken oder doch fanatischen Menschen als Täter, aufzuarbeiten – um dann allgemein gültige Schlüsse für vergleichbare Lagen zu ziehen. Nicht weiterhelfen werden Pauschalurteile, vorschnelle Schlussfolgerungen oder der vielerorts im Internet ausgetobte Hass gegen Asylbewerber. Der Angriff von Würzburg ereignete sich drei Monate und einen Tag vor der Bundestagswahl. Man kann nur hoffen, dass er besonnen aufgearbeitet wird – und dass es keine Nachahmer gibt. Eine Instrumentalisierung der Tat im Vorfeld der Wahl liegt gefährlich nahe.

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