Frankfurt am Main/München (ots) –

Im Pandemie- und Rezessionsjahr 2020 haben die Kreditinstitute hierzulande eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 1,1 Prozent erzielt Eine hohe Kreditrisikovorsorge konterkariert Fortschritte auf der Kostenseite Bis zu 10 Prozent Eigenkapitalrendite sind mittelfristig möglich, wenn die Branche ihre Neuausrichtung vorantreibt und transformatorische Chancen ergreift Die Renditewende erfordert weitere strukturelle Kosteneinsparungen Neue Geschäftsmodelle und das Thema ESG haben großes Ertragspotenzial

Deutschlands Bankenbranche hat die Talfahrt ihrer Rendite im Krisenjahr 2020 gestoppt. Trotz einer deutlich höheren Kreditrisikovorsorge lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern mit 1,1 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder leicht über dem Niveau des Vorjahrs. Doch ihre strukturellen Herausforderungen hat die Branche noch nicht gemeistert. So bleibt die Bankenlandschaft fragmentiert, das Kostenniveau ist vielerorts weiterhin zu hoch und in zukunftsträchtigen Märkten etablieren sich Branchenneulinge wie Fintechs oder Neobroker. In der Studie „Deutschlands Banken 2021: Wie die Renditewende gelingt“ analysiert die internationale Unternehmensberatung Bain & Company die jüngsten Entwicklungen und zeigt, wie die Branche die anstehenden Aufgaben bewältigen und mittelfristig mit einer Rendite von 8 bis 10 Prozent wieder ihre Eigenkapitalkosten verdienen kann (Abbildung).

Cost-Income-Ratio zeigt sich verbessert

„Die Banken sind in der Pandemie für viele Privat- und Geschäftskunden ein Partner in der Not und haben Vertrauen zurückgewonnen“, erklärt Walter Sinn, Bain-Deutschlandchef und Co-Autor der Studie. „Zugleich haben die branchenweiten Anstrengungen in puncto Neuausrichtung und Kostenreduzierung zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Kreditinstitute geführt.“ So sank die Zahl der Filialen 2020 um weitere gut 10 Prozent auf insgesamt 20.300. Dank rückläufiger Kosten und weitestgehend stabiler Erträge verbesserte sich die Cost-Income-Ratio gegenüber 2019 um 4 Prozentpunkte auf 72 Prozent.

Einem nachhaltigeren Fortschritt stand im Pandemie- und Rezessionsjahr 2020 eine deutlich höhere Kreditrisikovorsorge im Weg. Sie belastete die Rentabilität aller Institutsgruppen. Mit 7,5 Prozent wiesen die Automobilbanken 2020 die höchste Eigenkapitalrendite aus, gefolgt von den Direktbanken mit 7,2 Prozent. Die beiden zahlenmäßig größten Institutsgruppen, Kreditgenossenschaften und Sparkassen, erwirtschafteten eine Rendite von 5,3 beziehungsweise 3,5 Prozent.

Mehr Rendite dank niedrigerer Risikokosten

2021 könnten die Risikokosten merklich sinken und damit die Bahn für eine weiter steigende Rendite freimachen. Zumindest legt dies eine Auswertung der Halbjahresabschlüsse der 21 großen Banken in Deutschland nahe, die der Aufsicht der EZB unterstehen. Die Risikokosten dieser Institute bewegten sich in der ersten Jahreshälfte 2021 knapp 50 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dennoch gibt Sebastian Thoben, Bain-Partner und Co-Autor der Studie, keine Entwarnung: „Die anhaltende Pandemie sorgt für neue Unsicherheit, was den weiteren Konjunkturverlauf angeht. Damit erhöht sich auch das Ausfallrisiko von Krediten. Erst 2022 wird sich zeigen, ob die bisherige Kreditrisikovorsorge ausgereicht hat.“ Mittelfristig werde eine Normalisierung der Risikokosten aber einen Beitrag zur Renditewende leisten.

Sparmaßnahmen müssen fortgesetzt werden

Rückenwind werden die Banken auch durch das Ende der lockeren Geld- und Zinspolitik der EZB erhalten, das aufgrund steigender Inflationstendenzen zu erwarten ist. Allein durch höhere Zinsen und damit eine verbesserte Zinsmarge könnten die Banken ihre Rendite mittelfristig um 2 bis 3 Prozentpunkte steigern. Um in die Nähe ihrer Eigenkapitalkosten von durchschnittlich 8 bis 9 Prozent zu gelangen, müssen sie aber zusätzlich noch bestehende strukturelle Einsparpotenziale heben sowie das Provisionsgeschäft ausbauen.

Der Bain-Studie zufolge ermöglichen Nettoeinsparungen von weiteren 10 bis 15 Prozent eine branchenweite Cost-Income-Ratio von 60 bis 65 Prozent und damit eine um 1 bis 1,5 Prozentpunkte höhere Rendite. Neben den bereits eingeleiteten Maßnahmen wie der Straffung des Filialnetzes bedingt dies vor allem eine anhaltende Reduktion der Komplexität sowie eine Verschlankung der Organisation und eine Transformation der IT-Landschaft hin zu skalierbaren Cloud-Modellen. „Die nächste Einsparrunde fordert Banken noch einmal alles ab“, betont Bankenexperte Thoben. „Doch auch dieser Kraftakt ist zu schaffen. Internationale Branchenvorreiter haben ihn bereits erfolgreich bewältigt.“

Die Rückkehr der Kreditinstitute zu wahrer Renditestärke erfordert darüber hinaus die Transformation der Geschäftsmodelle sowie vermehrte Zusammenschlüsse. Allerdings setzt eine wirklich durchgreifende Konsolidierung nach wie vor eine Einigung zur EU-Bankenunion und damit eine Harmonisierung der nationalen Regulierungsvorschriften voraus. „Europäische Zusammenschlüsse bleiben die große Unbekannte auf der Agenda vieler Institute“, stellt Branchenkenner Sinn fest. „Doch mittelfristig sind sie ein strategisches Muss.“

Nachhaltigkeit wird zum Renditeturbo

Bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle und der Ausrichtung auf Zukunftsthemen sollten die Banken dagegen keine Zeit verlieren. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, kommt nicht umhin, sich umgehend mit den folgenden vier Trends zu befassen:

Digitale Ökosysteme. Im Mittelpunkt steht dabei, das eigene Leistungsspektrum gemeinsam mit Partnern um finanznahe Themen zu erweitern. Embedded Finance. Immer mehr Branchen folgen dem Vorbild des Handels und integrieren Bezahl- und Finanzierungsfunktionen in ihr Geschäftsmodell. Aufgabe der Kreditinstitute muss sein, Banking as a Service als zusätzlichen Geschäftszweig zu etablieren. Digital Assets. Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie ergeben sich neue Möglichkeiten im Asset-Management, im Kredit- und Kapitalmarktgeschäft sowie im Corporate-Banking. Potenzial hat zudem das Geschäft mit Kryptowährungen. Nachhaltigkeit. Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft bietet Banken Wachstumschancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Bain-Partner und Co-Autor Dr. Christian Graf hebt insbesondere die Chancen von ESG-Produkten und -Services hervor: „Je früher Banken das Thema Nachhaltigkeit aufgreifen und konsequent in ihrer Organisation verankern, desto eher können sie zusätzliche Erträge erzielen, ihre Kosten senken und so ihre Rentabilität steigern.“ Tatsächlich zeigen Bain-Analysen, dass die Risikokosten von Banken, bei denen das Nachhaltigkeitsprofil ihrer Kundschaft besser ist, um rund 25 Prozent unter dem Marktdurchschnitt liegen.

Tempo erhöhen und Chancen nutzen

Eine erfolgreiche Transformation der Geschäftsmodelle in Richtung der vier Zukunftsmärkte könnte der Bain-Studie zufolge die Eigenkapitalrendite der Banken in Deutschland insgesamt um 1 bis 2 Prozentpunkte steigern. Erhalten sie zudem Rückenwind durch höhere Zinsen, niedrigere Risikokosten sowie Fortschritte auf der Kostenseite, im Provisionsgeschäft und bei der Konsolidierung, ist mittelfristig eine Rendite von 8 bis 10 Prozent erreichbar. „Deutschlands Banken können die Renditewende schaffen“, so Bain-Deutschlandchef Sinn. „Voraussetzung ist, dass sie in puncto Neuausrichtung das Tempo erhöhen und transformatorische Chancen wie Nachhaltigkeit konsequent nutzen.“

Über die Studie

Zum siebten Mal wertet Bain & Company die Bilanz- und GuV-Strukturen der deutschen Kreditinstitute aus, von denen es 2020 hierzulande noch gut 1.500 gab. Die Experten nutzen dazu Zeitreihen der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Datenbanken von Dun & Bradstreet und S&P Global. Der Zuschnitt der Institutsgruppen orientiert sich an der Klassifizierung der Deutschen Bundesbank.

Eine Grafik finden Sie hier: https://ots.de/yNZtcB

Bain & Company

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Quelle: Presseportal