Frankfurt (ots) –

Was trägt die meisten Menschen an die Börse? Ein Schauspieler, der das Prinzip einer Volksaktie umwirbt? Nur bis zum nächsten Kursrutsch! Fördergelder aus dem Topf der Riester-Rente? Nur bis die Beitragsgarantie im Tiefzinsumfeld jeden Spielraum für Rendite raubt. Oder eine Geldschwemme infolge einer Pandemie plus Negativzinsen auf große Geldbeträge, die börsenfaule Menschen zum Umdenken zwingen? An diesem Punkt stehen wir jetzt. Mag sein, dass von der wiederholt beschworenen Aktienkultur diesmal mehr hängenbleibt. Garantiert ist das nicht.

Natürlich sind die 30 Mrd. Euro, die allein im zweiten Quartal laut Bundesbank in Aktien und Fonds flossen, mehr als nur ein Signal. Das Geld wird einmal gebraucht werden, wenn der Anteil der Menschen im hohen Alter zugenommen hat und die öffentlichen Kassen leer sind. Je mehr Menschen Geld langfristig zur Seite legen und je mehr sie sich dabei auch an renditeorientierte Anlageformen heranwagen, desto besser. Aber die hohen Zuflüsse und das neue Interesse an Wertpapieren sind von niemandem geplant worden, sondern ein Produkt des Zufalls. Die Pandemie kam unerwartet, ein Strafzins auf Bankeinlagen war bis vor wenigen Jahren undenkbar. Es hätte auch anders kommen können.

Langfristiger Wohlstand geht alle an, denn Steuereinnahmen und sozialstaatliche Aufgaben hängen davon ab. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, die auch Aktien mit einschließt, muss auch politisches Ziel sein. Deutschland ist nach globalen Maßstäben freilich schon jetzt ein ungeheuer wohlhabendes Land, aber im Vergleich zu anderen reifen Industrieländern dann doch nicht mehr ganz so reich: Gut 88000 Euro Geldvermögen besitzt ein deutscher Haushalt im Durchschnitt, in vielen anderen Ländern sind höhere Beträge üblich. Ob die USA mit ihren 401k-Plänen, Norwegen mit dem Ölfonds, die Niederlande mit einem umfassenden Pensionssystem oder Schweden mit einem Fondsmodul in der öffentlichen Rente – anderswo hat die Kapitalanlage einen höheren Stellenwert, womit die Länder auf den demografischen Wandel besser vorbereitet sind. Diesen Vorsprung holt Deutschland nicht mehr ein, doch sollte der Abstand im internationalen Vergleich nicht weiter wachsen.

Die Pflege einer Aktienkultur sollte also nicht nur Schauspielern, Influencern und schicken Apps überlassen werden. Wenn die neue Bundesregierung steht, gehört das Problem auf die Agenda. Die Sicherung des Wohlstands ist zu wichtig, um sie dem Zufall zu überlassen.

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