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OpenAI Codex greift in Windows ein — KI am PC, ohne dass jemand hinschaut

OpenAI erweitert Codex um Computer Use für Windows 11: Die KI öffnet Anwendungen, klickt und tippt selbstständig — auch per Fernzugriff vom Smartphone. Was das für Entwickler und Unternehmen bedeutet.

Code-Editor auf Laptop-Bildschirm, blaue Beleuchtung – symbolisiert KI-gesteuerte PC-Automatisierung

KI-Assistenten, die eigenständig klicken, tippen und durch Anwendungen navigieren — das war noch vor einem Jahr Stoff für Entwickler-Demos. OpenAI hat Computer Use für seine Codex-App jetzt offiziell auf Windows 11 gebracht. Wer das als technische Feature-Note abtut, unterschätzt, was gerade passiert.

Was Codex‘ Computer Use auf dem PC tatsächlich tut

Die Funktion aktiviert man in den Codex-Einstellungen. Ist sie eingeschaltet, kann die KI Anwendungen öffnen, darin navigieren und Aufgaben erledigen — ohne dass der Nutzer am Gerät sitzt. Programme werden per @-Syntax angesteuert: „@Paint“, „@Terminal“, „@Browser“. Codex sieht den Bildschirminhalt, klickt und tippt im Vordergrund.

Neu ist die mobile Anbindung: Wer die ChatGPT-App auf dem Smartphone nutzt, kann damit Codex-Aufgaben auf einem Windows-Rechner anstoßen. Code testen, Fehler prüfen, Prozesse starten — vom Telefon aus, der Rechner arbeitet allein. Auf macOS läuft das seit April 2026, Windows zieht jetzt nach.

Anthropic hatte das früher — und Microsoft ist längst dabei

OpenAI kommt hier als Nachzügler. Anthropic bot Computer Use für Claude-Modelle bereits deutlich früher als experimentelle Entwickler-API an. Microsoft hat mit Copilot eigene Automatisierungsfunktionen tief ins Betriebssystem eingebaut. Das ist kein Geheimnis, und OpenAI versteckt es auch nicht — Codex ist als Entwickler-Tool positioniert, nicht als allgemeiner Betriebssystem-Assistent.

Ich manage bei einigen Kunden Windows-Umgebungen, wo Fernzugriff und Automatisierung seit Jahren Alltag sind: RMM-Tools, Skripte, gelegentlich PowerShell-Remote-Sessions. Der Unterschied zu dem, was Codex hier einführt: Keine fest definierten Skripte, deren Verhalten ich kenne und dokumentiere, sondern eine KI, die situativ entscheidet, was sie tut. Das verändert die Kategorien, in denen man darüber nachdenken muss.

Die Frage, die der Launch offenlässt

Computer Use setzt erhebliche Zugriffsrechte voraus. Was die KI dabei erfasst, wie lange Session-Daten gespeichert werden, wo sie landen — dazu hat OpenAI zum Launch wenig Konkretes kommuniziert. „Aktivierbar in den Einstellungen“ klingt kontrollierbar. In der Praxis stellt sich die Frage, ob Unternehmen wirklich verstehen, was sie da einschalten.

KI-gesteuerte Desktops kommen — mit Codex, mit Copilot, mit Claude. Was fehlt, sind klare Antworten: Was darf das Modell sehen, was nicht? Wie werden Logs gehandhabt? Wer haftet, wenn die KI einen Fehler macht? Die Technologieentwicklung ist der Compliance-Dokumentation gerade um mehrere Versionen voraus. Für produktive Einzelnutzer: experimentieren, gerne. Für Firmenumgebungen mit sensiblen Daten empfehle ich, Computer Use sehr eng zu scopen — nicht aus Technik-Misstrauen, sondern weil die offenen Fragen im Ernstfall keine theoretischen sind.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.