Zwei große Desktop-Umgebungen, ein Release: NixOS 26.05 „Yarara“ erscheint mit GNOME 50 „Tokyo“ und KDE Plasma 6.6.5 gleichzeitig — und dürfte damit eine der ersten stabilen Distributionen sein, die beide in ihrem aktuellen Versionsstand ausliefert. Meine erste Linux-Installation lief noch von SuSE-CDs auf einem Athlon XP; NixOS würde ich einem KMU-Kunden heute noch nicht zumuten, aber als Seismograf für den Zustand des Linux-Desktops ist die Distribution schon länger interessanter als ihre Nutzerzahlen vermuten lassen. Was 26.05 außerdem bringt: ein überfälliger Wechsel beim Bootprozess und das absehbare Ende der Intel-Mac-Unterstützung.
GNOME 50 und KDE Plasma 6.6: der Desktop-Doppelpack
GNOME 50 „Tokyo“ erschien bereits im März 2026 — benannt nach dem GNOME.Asia Summit 2025 in Tokio. Wichtigste Neuerungen: Elternkontrolle mit konfigurierbaren Bildschirmzeit-Limits, Hardware-Beschleunigung für Remote-Desktop-Sitzungen via Vulkan und VA-API, verbesserte Variable-Refresh-Rate- und Fractional-Scaling-Unterstützung sowie umfangreiche Verbesserungen am Orca-Screenreader. Letzteres ist für alle relevant, die mit 4K-Monitoren oder gemischten DPI-Setups arbeiten — Fractional Scaling war jahrelang einer der nervigsten Dauerkritikpunkte am Linux-Desktop.
KDE Plasma läuft in Version 6.6.5. Beide Umgebungen lassen sich im NixOS-Paketmanagement unabhängig wählen und wieder entfernen, ohne dass Abhängigkeiten kollidieren — ein konkreter Alltagsvorteil gegenüber herkömmlichen Paketmanagern. Zum Umfang: 20.442 neue Pakete, 20.641 aktualisierte, 17.532 entfernte. 2.842 Mitwirkende haben für diesen Release insgesamt 59.703 Commits eingereicht.
systemd übernimmt den Boot — ein überfälliger Schritt
Ab 26.05 ist systemd der Standard für den Bootprozess. Die bisherige skriptbasierte Initialisierung wird abgelöst. Das klingt nach Infrastruktur-Kleinkram, ist aber für alle, die NixOS produktiv betreiben, eine spürbare Änderung: konsistenteres Verhalten, einfachere Fehlersuche, weniger Graben zu den anderen großen Distributionen, die diesen Schritt längst vollzogen haben. GCC 15 ist die neue Standard-Compiler-Version; LLVM bleibt bei Version 21.
Wer von 25.11 „Xantusia“ (EOL: 30. Juni 2026) migriert, sollte vor dem Upgrade einen Blick auf die 25 entfernten Module werfen — 85 neue sind dazugekommen, 1.547 neue Konfigurationsoptionen ebenfalls. Eine Stunde für den Konfigurationsabgleich ist realistisch, keine halbe.
Intel-Macs: letzter Halt
NixOS 26.05 ist die letzte Version, die x86_64-darwin — Intel-basierte Macs — offiziell unterstützt. Sicherheitsupdates laufen noch bis 31. Dezember 2026, danach ist Schluss. Der Grund ist pragmatisch: Intel-Macs verlieren auch unter macOS schrittweise den Hersteller-Support, und der Wartungsaufwand für die Build-Infrastruktur ist für eine schrumpfende Plattform schlicht nicht mehr verhältnismäßig. Apple Silicon läuft weiterhin.
NixOS ist kein Ubuntu und wird es nicht werden — das deklarative Paket-Management, das hier seit Jahren propagiert wird, stellt für Administratoren mit Produktivsystemen eine echte Lernkurve dar. Aber genau in dieser Sonderrolle liegt der Wert der Distribution: Was in NixOS landet, zeigt den Rest der Linux-Welt, was möglich ist. Reproducible Builds und rollback-fähige Konfigurationen als Normalzustand sind kein Marketing-Versprechen mehr, sondern stabiler Alltag. Wer NixOS schon betreibt, hat guten Grund zu aktualisieren — wer neu einsteigt, findet mit 26.05 „Yarara“ einen gepflegten Einstiegspunkt.



