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Nikkor Z 85mm f/1,8 S: die Porträtlinse für Leute, die nicht über 2000 Euro reden wollen

Nahaufnahme einer Kameralinse mit weichem Bokeh-Hintergrund — symbolisch für den Testbericht zum Nikkor Z 85mm f/1,8 S

Seit 2019 hat Nikon mit der Nikkor Z 85mm f/1,8 S eine native Porträtlinse für das Z-System im Programm. Vier Jahre lang war sie die einzige 85er aus eigenem Haus, bis 2023 die teure f/1,2-Variante dazukam. Auf dem Papier nichts Aufregendes — in der Praxis aber eine der Linsen, die am Ende öfter im Rucksack landet als das offizielle Vorzeige-Glas daneben. Wer in den letzten Jahren einige 85er an unterschiedlichen Bodies durchgehen ließ, kennt das Phänomen.

Was die Linse tatsächlich auf den Sensor bringt

Die optische Rechnung ist nicht spektakulär und genau deshalb interessant: zwölf Linsen in acht Gruppen, zwei ED-Glaselemente, Nanokristallvergütung, neun runde Blendenlamellen. Keine asphärischen Elemente — was sich, anders als die Marketingleute es spinnen würden, beim Bokeh positiv bemerkbar macht: keine sichtbaren Zwiebelringe in unscharfen Lichtpunkten, weicher Übergang von Schärfe zu Unschärfe. Wer das Vorgänger-AF-S 85mm f/1,8 G direkt vergleicht, sieht den Unterschied bei Offenblende sofort, vor allem an den Rändern.

Schärfe ist über das gesamte Bildfeld auf einem Niveau, das man bei einer 1,8er bisher nur von deutlich teureren Linsen kannte. DXOMARK bescheinigt der Linse am Z7 einen Gesamtwert, der sie an die Spitze des Nikkor-Lineups bringt — und die Verzeichnung liegt bei messbaren 0,1 Prozent. In der Praxis heißt das: an den 45 Megapixeln eines Z7 II oder Z8 zieht die Linse mit, ohne nachgeschärft werden zu müssen. Die Vignettierung von etwa 1,1 bis 1,7 EV bei Offenblende ist da, lässt sich aber automatisch aus Lightroom rausrechnen — und bei Porträts will man die ohnehin gerne als Bildgestaltungsmittel mitnehmen.

Verarbeitung: 470 Gramm, Kunststoff-Tubus mit Metallbajonett, abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser, ein Steuerring statt der mittlerweile üblichen zwei Ringe. Das ist nicht das Pro-Niveau einer 70-200 f/2,8, fühlt sich aber an meiner Z6 III ausgewogen an. Wobei „leichtgewichtig“, wie die meisten Tests die Linse abhandeln, in der Realität ein relativer Begriff ist: Im Studio egal, nach einem Nachmittag draußen mit Familie merke ich, dass die 85er kein Pancake ist. Nicht schwer — aber kein Setup, das man beiläufig in den Rucksack wirft und vergisst.

Wo es hakt

Drei Punkte fallen im Alltag auf, die in keiner Marketingfolie stehen:

  • Focus Shift zwischen f/1,8 und f/5,6 — messbar und reproduzierbar. Erst abblenden, dann fokussieren, sonst sitzt der Schärfepunkt nicht da, wo man ihn haben will. Im Studio kein Drama, beim schnellen Schießen draußen schon eher.
  • Naheinstellgrenze bei 80 Zentimetern, was einen Abbildungsmaßstab von rund 1:8 ergibt. Für klassische Porträts völlig okay, für nahe Detail-Aufnahmen verschenkt. Andere Z-Festbrennweiten machen das besser.
  • Kein optischer Bildstabilisator — auf einem stabilisierten Body wie Z6 III oder Z8 normalerweise kein Problem. Hängt die Linse aber an einer Zfc oder Z5, wird es bei wenig Licht schnell unkomfortabel.

f/1,8 oder f/1,2 — und was machen die Drittanbieter?

Die teurere Schwester, die Z 85mm f/1,2 S, kostet aktuell ab rund 2500 Euro und bringt knapp eine Blendenstufe mehr Licht, deutlich weicheres Bokeh und einen Preisaufschlag, der nur dann zu rechtfertigen ist, wenn man die Linse beruflich auslastet. Wer einmal im Monat ein paar Porträts macht, kauft sich für die Differenz noch ein 105er-Macro dazu und hat mehr Auswahl im Rucksack.

Der Blick zur Konkurrenz lohnt sich: Viltrox liefert in der zweiten Generation eine 85mm f/1,8 für Z-Mount, die ab etwa 240 Euro im Onlinehandel zu haben ist — und Tests zeigen, dass sie optisch erstaunlich nah an Nikon herankommt, mit Schwächen beim Autofokus-Verhalten und einer weniger durchdachten Abdichtung. Die neuere Viltrox AF 85mm f/1,4 Pro Z spielt eine Liga höher, kostet aber auch ein Vielfaches. Es gibt also für jedes Budget eine Option — was die Nikon nicht unter Druck setzt, weil sie genau in der Lücke zwischen Billigheimer und Profi-Glas sitzt.

Wer kauft sie heute, wer nicht

Aktueller Straßenpreis: ab etwa 670 Euro bei seriösen Händlern, gut 200 Euro unter dem UVP von 2019. Damit ist die Linse für jeden interessant, der bei Nikon-Z gelandet ist und ein dediziertes Porträtobjektiv sucht, ohne sich gleich an den Eintrittspreis zur f/1,2-Klasse zu binden. Hochzeitsfotografen, die Verlässlichkeit über extreme Lichtstärke stellen, treffen mit der Linse keine Fehlentscheidung. Wer Macro im Sinn hat, schaut woanders.

Was sie nicht ist: eine Innovation. Was sie ist: solide, langweilig im besten Sinn, und bei diesem Preis schwer schlagbar. Manchmal ist genau das die richtige Antwort auf eine Kaufentscheidung — auch wenn die Linsenneuheiten mit den großen Buchstaben mehr Aufmerksamkeit bekommen.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.