Am 30. Juni 2026 schalten Telekom, O2 und 1&1 ihren MMS-Dienst ab. Vodafone hatte das bereits im Januar 2023 getan. Jetzt zieht der Rest nach — und damit endet formal ein Protokoll, das in der Praxis schon lange kaum noch jemand nutzte.
24 Jahre, 39 Cent, 300 Kilobyte — und kaum Nutzer
Als Vodafone MMS 2002 in Deutschland einführte, kostete eine Nachricht 39 Cent und trug maximal 300 Kilobyte Nutzlast — also ein Foto von bestenfalls VGA-Auflösung, wenn das Gerät mitspielte. Die SMS erreichte gleichzeitig ihren Höhepunkt: 60 Milliarden Nachrichten im Jahr 2012, bei vergleichsweise bescheidenen 13 Millionen MMS. Das Verhältnis sagt alles.
Ich habe MMS in meiner Mobilfunk-Geschichte vielleicht zehnmal wirklich bewusst genutzt — meistens mit gemischtem Erfolg, weil das Bild am Zielgerät entweder gar nicht ankam oder sich aus irgendeinem Format-Grund nicht öffnen ließ. Kein Einzelfall, wie die Zahlen zeigen: Bei Vodafone war die MMS-Nutzung bis zur Abschaltung um über 96 Prozent gegenüber dem Spitzenwert gefallen.
SMS ist übrigens nicht viel besser aufgestellt: von 60 Milliarden (2012) auf 2,9 Milliarden im Vorjahr — minus 95 Prozent. Der Messenger hat gewonnen, die Frage war nur, wann die Netzbetreiber das formell anerkennen.
RCS soll es richten — und hat diesmal bessere Karten
Der Nachfolger heißt RCS (Rich Communication Services): offen, kostenlos über Daten, nativ in der Nachrichten-App ohne separates Konto. Die GSMA finalisierte im März 2026 die Universal Profile 4.0-Spezifikation, die erstmals echte Interoperabilität zwischen allen Anbietern zum Standard macht. Das war die fehlende Voraussetzung — vorher sprachen RCS-Implementierungen verschiedener Carrier oft nicht miteinander.
(Das Kernproblem von MMS war nie, dass der Standard technisch versagt hat — es waren die 39 Cent, die Dateigrößen-Begrenzung und die fehlende Zuverlässigkeit beim Empfang. RCS löst diese Punkte; der eigentliche Unterschied ist, dass es plattformübergreifend offen ist und nicht hinter einem Messenger-Konto-Zwang steckt.)
WhatsApp hat in Deutschland mit rund 60 Millionen täglichen Nutzern einen anderen Markt besetzt. RCS schließt vor allem das Randproblem: Geräte ohne Messenger-App, Nutzer aus Datenschutzgründen auf native Nachrichten angewiesen, oder schlicht der Kontakt, der aus unbekanntem Grund kein WhatsApp hat.
MMS geht ohne großes Aufheben. SMS werden folgen — die Rückgangs-Kurve lässt kaum einen anderen Schluss zu. RCS hat jetzt, mit einem erstmals wirklich interoperablen Standard, die Chance, den verbleibenden Platz zu füllen, den proprietäre Messenger nie besetzen wollten.


