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Am 30. Juni ist MMS Geschichte — 24 Jahre, 39 Cent pro Bild, und kaum jemand weint nach

Telekom, O2 und 1&1 schalten MMS am 30. Juni 2026 ab. Das Ende eines 24 Jahre alten Protokolls, das WhatsApp und Co. schon längst überflüssig gemacht haben — und ein Ausblick auf das, was als nächstes folgt.

Smartphone-Nachrichten – MMS und SMS werden durch RCS abgelöst

Am 30. Juni 2026 schalten Telekom, O2 und 1&1 ihren MMS-Dienst ab. Vodafone hatte das bereits im Januar 2023 getan. Jetzt zieht der Rest nach — und damit endet formal ein Protokoll, das in der Praxis schon lange kaum noch jemand nutzte.

24 Jahre, 39 Cent, 300 Kilobyte — und kaum Nutzer

Als Vodafone MMS 2002 in Deutschland einführte, kostete eine Nachricht 39 Cent und trug maximal 300 Kilobyte Nutzlast — also ein Foto von bestenfalls VGA-Auflösung, wenn das Gerät mitspielte. Die SMS erreichte gleichzeitig ihren Höhepunkt: 60 Milliarden Nachrichten im Jahr 2012, bei vergleichsweise bescheidenen 13 Millionen MMS. Das Verhältnis sagt alles.

Ich habe MMS in meiner Mobilfunk-Geschichte vielleicht zehnmal wirklich bewusst genutzt — meistens mit gemischtem Erfolg, weil das Bild am Zielgerät entweder gar nicht ankam oder sich aus irgendeinem Format-Grund nicht öffnen ließ. Kein Einzelfall, wie die Zahlen zeigen: Bei Vodafone war die MMS-Nutzung bis zur Abschaltung um über 96 Prozent gegenüber dem Spitzenwert gefallen.

SMS ist übrigens nicht viel besser aufgestellt: von 60 Milliarden (2012) auf 2,9 Milliarden im Vorjahr — minus 95 Prozent. Der Messenger hat gewonnen, die Frage war nur, wann die Netzbetreiber das formell anerkennen.

RCS soll es richten — und hat diesmal bessere Karten

Der Nachfolger heißt RCS (Rich Communication Services): offen, kostenlos über Daten, nativ in der Nachrichten-App ohne separates Konto. Die GSMA finalisierte im März 2026 die Universal Profile 4.0-Spezifikation, die erstmals echte Interoperabilität zwischen allen Anbietern zum Standard macht. Das war die fehlende Voraussetzung — vorher sprachen RCS-Implementierungen verschiedener Carrier oft nicht miteinander.

(Das Kernproblem von MMS war nie, dass der Standard technisch versagt hat — es waren die 39 Cent, die Dateigrößen-Begrenzung und die fehlende Zuverlässigkeit beim Empfang. RCS löst diese Punkte; der eigentliche Unterschied ist, dass es plattformübergreifend offen ist und nicht hinter einem Messenger-Konto-Zwang steckt.)

WhatsApp hat in Deutschland mit rund 60 Millionen täglichen Nutzern einen anderen Markt besetzt. RCS schließt vor allem das Randproblem: Geräte ohne Messenger-App, Nutzer aus Datenschutzgründen auf native Nachrichten angewiesen, oder schlicht der Kontakt, der aus unbekanntem Grund kein WhatsApp hat.

MMS geht ohne großes Aufheben. SMS werden folgen — die Rückgangs-Kurve lässt kaum einen anderen Schluss zu. RCS hat jetzt, mit einem erstmals wirklich interoperablen Standard, die Chance, den verbleibenden Platz zu füllen, den proprietäre Messenger nie besetzen wollten.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.