Microsoft hat im 365 Message Center angekündigt, dass die Meeting-Oberfläche von Teams ab Juli grundlegend überarbeitet wird. Im Mittelpunkt: weniger Fehlklicks, ein neues Share-Panel mit Live-Vorschau und ein zweistufiger Bestätigungsprozess vor dem Bildschirmteilen. Klingt nach gesundem Aufräumen — der Haken liegt allerdings in den Begleitumständen.
Was sich an der Meeting-Toolbar ändert
Die Steuerleiste während eines Meetings wird neu sortiert. Mikrofon, Kamera und der Share-Button rücken zentriert in die Mitte, der „Verlassen“-Button wandert weit nach rechts, damit er nicht mehr in der Nähe der häufig benutzten Aktionen klebt. Selten genutzte Funktionen wie Umfragen, Aufzeichnungen und Live-Untertitel landen unter einem reorganisierten „Mehr“-Menü. Hand-Heben wird unter die Reaktionen einsortiert.
Die Toolbar wird erstmals personalisierbar — per Drag-and-Drop lassen sich Elemente pinnen, entfernen und neu sortieren. Microsoft verweist außerdem auf Performance-Optimierungen bei der Eingabe; das ist überfällig, nachdem das Unternehmen 2025 zugegeben hatte, dass Teams selbst im Idle ordentlich RAM verbraucht.
Der zweistufige Share-Workflow
Der zweite große Eingriff betrifft das Bildschirmteilen — also den Klassiker unter den peinlichen Meeting-Pannen. Das neue Panel zeigt rechts Live-Vorschauen aller offenen Fenster und Bildschirme, links eine Tab-Navigation zwischen Screens & Apps, interaktiven Dateien und weiteren Optionen. Vor dem eigentlichen Share kommt ein zusätzlicher Bestätigungs-Klick.
Ich habe in den letzten Jahren keine einzige Teams-Schulung bei Kunden moderiert, in der nicht mindestens einer beiläufig erwähnt hat, schon mal „kurz“ den falschen Bildschirm freigegeben zu haben — Mailpostfach, Privatkalender, einmal sogar ein offenes WhatsApp Web. Dass Microsoft den Vorgang inzwischen selbst als problematisch bezeichnet und einen extra Klick einbaut, ist eher überfällig als spektakulär. Zoom und Google Meet sind beim Share-Dialog schon länger weniger einladend für Fehlklicks.
Was für Admins (und Nutzer) zum Start fehlt
Hier kommt der weniger schöne Teil. Der Opt-Out-Toggle, mit dem Nutzer in der Anfangsphase zurück zur alten Ansicht wechseln können, ist ausdrücklich nur auf Einzelnutzer-Ebene verfügbar — nicht auf Tenant-Ebene. Heißt: Administratoren können das neue Design nicht zentral für das ganze Unternehmen ein- oder ausschalten. Wer einen größeren Tenant betreut, kann seine Belegschaft also nicht synchron auf der alten oder neuen Oberfläche halten. Microsoft kündigt zudem an, die alte Variante „später im Jahr“ komplett zu entfernen.
Zwei kleinere Baustellen kommen dazu: Die personalisierte Toolbar synchronisiert sich zum Start nur lokal — wer zwischen Desktop, Notebook und Web-Client wechselt, muss vorerst überall neu pinnen. Bei den fixierten Anwendungen im Meeting-Header gilt künftig ein Limit von zwei. Mobile- und Linux-Clients sowie die Consumer-Variante bleiben von dem Redesign zunächst ausgenommen.
Der eigentliche Rollout läuft in zwei Stufen: Anfang Juli starten Targeted-Release-Tenants, ab Anfang August folgt der weltweite Rollout als neuer Standard. GCC-, GCC-High- und DoD-Umgebungen kommen erst im September beziehungsweise Oktober dran. Wer in der IT für die User-Kommunikation zuständig ist, sollte sich also spätestens jetzt überlegen, wie er die Belegschaft auf die neue Optik vorbereitet — denn ein zentrales Aussitzen ist nicht vorgesehen.


