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Scout: Microsofts internes Ziel lautet „Make people addicted“

Geleakte Microsoft-Dokumente zeigen: Der KI-Agent Scout wurde intern unter dem Codenamen ClawPilot entwickelt — mit dem expliziten Ziel, Nutzer abhängig zu machen. Sicherheitsfragen bleiben vorerst offen.

Microsoft Scout KI-Agent, vorgestellt auf der Build 2026
Bild: Microsoft

Interne Unterlagen, die die Plattform 404 Media einsehen konnte und über die Notebookcheck berichtet, zeichnen ein ungewöhnlich ehrliches Bild von Microsofts neuestem KI-Agenten. Scout — intern ClawPilot genannt — wird aktuell im Rahmen der Build 2026 für erste Frontier-Kunden ausgerollt. Das dazugehörige Strategiedokument, intern bekannt als „ClawPilot: Overview and Plan with Project Lobster“, nennt das erste Rollout-Ziel ohne Umschweife: „Make people addicted.“ Was im Startup-Umfeld als Candor gilt, hat in einem Konzern dieser Größenordnung einen anderen Klang.

„Project Lobster“ und die drei Phasen

Das Strategiepapier beschreibt den Rollout in drei Etappen. Erste Phase: Nutzer so tief in das Tool einbinden, dass es Teil ihres täglichen Arbeitsablaufs wird — also abhängig machen, wortwörtlich. Als früher Beleg dienen interne Nutzungsdaten: Rund 1.000 Microsoft-Mitarbeiter testen ClawPilot seit März; die Absprungrate sei gering, die tägliche Nutzungsintensität hoch. Phase zwei sieht vor, Scout mit anderen KI-Werkzeugen aus dem Microsoft-Ökosystem zu verknüpfen — Phase drei fügt neue Funktionen hinzu. Eine Abfolge, die aus der SaaS-Branche bekannt ist: Engagement zuerst, Tiefe danach. Das Ungewöhnliche ist nicht die Strategie selbst, sondern dass sie so direkt niedergeschrieben wurde.

Entra-Identität, Vollzugriff — Sicherheit ist „to figure out moving forward“

Scout operiert mit einer eigenen Entra-Identität und erhält Zugriff auf Teams, Outlook, OneDrive und SharePoint. Microsoft nennt das „Work IQ“: ein Kontext-Engine, das Muster, Personen und Dateien im Arbeitsumfeld erkennen und wiederkehrende Koordinationsaufgaben — Terminabstimmung, Kalender-Blocking, Dokumentenablage — selbstständig erledigen soll. Für all das braucht der Agent umfassende Leserechte auf Kommunikation und Dokumente quer durch das Microsoft-365-Universum.

Wie Sicherheit und Compliance dabei konkret gewährleistet werden, beschreibt das Strategiepapier als „to figure out moving forward“ — ein Punkt, der nach dem Marktstart adressiert werden soll. Bei Kunden, die ihre Buchhaltungskommunikation, Angebotshistorie und internen Absprachen vollständig in Microsoft 365 haben, ist das eine Ansage, die ich erklären müsste. Für mittelständische Betriebe ist „erst ausrollen, dann absichern“ kein beruhigendes Rollout-Modell — und das wird die erste Frage sein, die kommt, sobald Scout im breiten Vertrieb landet.

Aktuell läuft Scout in einer experimentellen „Frontier organizations“-Phase; der Zugang erfordert Frontier-Enrollment, Intune-Richtlinien und eine GitHub-Copilot-Lizenz. Der breite Rollout steht noch aus. Mein Eindruck: Microsoft wird die Formulierung „Make people addicted“ für die Öffentlichkeit nicht noch einmal verwenden — das Strategiepapier ist damit aber schon draußen. Eine Abhängigkeits-Strategie, die intern so bezeichnet wird, ist das auch dann noch, wenn die Pressemitteilung das eleganter formuliert.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.