Microsoft hat „Intelligent Terminal“ 0.1 veröffentlicht — einen Open-Source-Fork von Windows Terminal, der KI-Agenten direkt in die Kommandozeile integriert. Das Tool läuft unter Windows 11 ab Version 22H2 und wird parallel zum regulären Windows Terminal installiert, das weiterhin unverändert gepflegt wird. Verfügbar über WinGet, den Microsoft Store und GitHub; MIT-Lizenz.
Was die neue Shell kann
Das Herzstück ist die „Agent Pane“ — ein andockbarer Bereich, der dauerhaft Zugriff auf die aktive Shell-Sitzung bietet und einen konfigurierbaren KI-Agenten direkt in die Terminal-Oberfläche einbettet. Läuft ein Befehl in einen Fehler, erkennt das Terminal das automatisch und übermittelt den Fehlerkontext an den Agenten — ohne dass der Nutzer den Output manuell in ein separates Chat-Fenster kopieren muss.
Wer regelmäßig zwischen Terminal, Browser und KI-Chat hin- und herwechselt, weiß, wie viel Kontext dabei verloren geht: Man beschreibt umständlich, was im Tab daneben gerade passiert ist. Genau das adressiert Intelligent Terminal — der Agent weiß, was in der Shell passiert, weil er direkt darin sitzt.
Die Agentensteuerung läuft über das Agent Client Protocol (ACP). Voreingestellt ist GitHub Copilot CLI, aber das Terminal erkennt auch ACP-kompatible Agenten wie Claude CLI, Codex CLI oder Gemini CLI. Komplexere Aufgaben laufen in separaten Hintergrund-Tabs; ein Verwaltungsfenster zeigt aktive und abgeschlossene Agentensitzungen.
Einordnung: Markt, Konkurrenz, Grenzen
Mit Intelligent Terminal mischt sich Microsoft in ein Segment, in dem Warp Terminal bislang die bekannteste KI-integrierte Alternative ist. Warp ist auf Mac, Linux und Windows kostenlos für Einzelnutzer nutzbar; Teams zahlen rund 20 Dollar pro Monat für geteilte Workflows. Der wesentliche Unterschied: Warp setzt auf ein eigenes UI-Paradigma mit Block-basierter Ausgabe und benötigt einen Account sowie Cloud-Verbindung für seine KI-Features. Intelligent Terminal ist lokal — der Transport zwischen Shell und Agent läuft auf dem Gerät, keine Daten gehen direkt an Microsoft-Server.
GitHub Copilot CLI in bestehenden Terminals ist ein weiterer Ansatz, aber kein direkter Vergleich: Dort fehlt der persistente Kontext-Kanal, der für die automatische Fehleranalyse nötig ist — der Nutzer muss den Fehler manuell übergeben.
Version 0.1.0 ist ausdrücklich experimentell und setzt Windows 11 ab Version 22H2 voraus. Eine Linux- oder macOS-Version ist nicht angekündigt. Das reguläre Windows Terminal bleibt unverändert — beide Anwendungen laufen nebeneinander; wer keine KI-Integration will, muss nichts ändern. Für Entwickler, die ohnehin mit ACP-kompatiblen Agenten arbeiten, ist das ein Einstieg ohne zusätzliche Kosten.


