Ein internes Memo von Alex Himel, Metas VP of Wearables, ist an die Öffentlichkeit gelangt — und zeigt eine Produkt-Pipeline, die weit über die bekannte Ray-Ban-Kooperation hinausgeht. Vier neue Brillenmodelle bis Jahresende, AR-Prototypen, ein KI-Anhänger mit Kamera, dazu ein Enterprise-Angebot: Das klingt nach einer Ankündigungsflut. Das Abo-Modell, das das alles finanzieren soll, ist die eigentlich interessante Nachricht.
Was geplant ist — von Modelo bis Supersensing-Brille
Wie heise online berichtet, will Meta 2026 vier neue Glasses-Modelle auf den Markt bringen: Modelo im Juni, Luna und ein aufgefrischtes RBM2 im Herbst, die „Mojito VIP“-Variante im Dezember. Dazu kommen zwei Prototypen: „Artemis“ soll Metas erster Versuch an echten AR-Brillen werden; „SSG“ (Supersensing Glasses) ein Modell mit dauerhaft aktiven Kameras und Sensoren, das kontextbezogene Erinnerungen liefern soll — liegt der Schlüssel auf dem Tisch, soll das Modell ihn beim nächsten Suchen erwähnen können.
Noch weiter entfernt ist der KI-Anhänger. Interne Tests sind für Frühjahr 2027 geplant; ob und wann ein Marktstart folgt, bleibt offen. Dass Meta 2024 den KI-Anhänger-Startup Limitless übernommen hat, der damals ein ähnliches Gerät entwickelte, liest sich rückwirkend wie die Blaupause für diesen Schritt.
7 Millionen Brillen — und was daraus werden kann
EssilorLuxottica, der Brillenhersteller hinter dem Ray-Ban-Label, hat für 2025 über sieben Millionen verkaufte Ray-Ban-Meta-Brillen gemeldet; die tägliche Nutzungszeit hat sich laut Himel im Jahresvergleich verdreifacht. Das ist für eine Geräteklasse, die noch 2023 viele als aufgewärmten Google-Glass-Versuch abgestempelt hatten, eine beachtliche Entwicklung — anders als beim Humane AI Pin, bei dem die Verkaufszahlen gar nicht erst veröffentlicht wurden (weil es nicht viel zu veröffentlichen gab).
Meta will bis Mitte 2026 auf zehn Millionen verkaufte Wearables kommen und 6,8 Millionen monatlich aktive Nutzer halten. Ob das bei meinen KMU-Kunden schon ein Thema ist? Noch nicht — aber das „Wearables for Work“-Segment, das Himel im Memo ebenfalls ankündigt, klingt nach etwas, das in zwei Jahren in Kundengesprächen auftauchen wird, ähnlich wie „Copilot für Windows“ seit einem Jahr auf dem Tisch liegt.
Das eigentliche Ziel: Software auf der Nase
Himel schreibt dem Bericht zufolge, das Unternehmen dürfe sich nicht ausschließlich auf Hardware-Margen stützen — das Softwaregeschäft müsse mitfinanzieren. Konkret: Meta One Plus für 7,99 Dollar monatlich (mehr Rechenkapazität, mehr Generierungsfunktionen) und Meta One Premium für 19,99 Dollar. Betrieben werden die Geräte von Metas eigenem KI-Modell Muse Spark und einem noch nicht veröffentlichten Agenten namens Hatch.
19,99 Dollar monatlich setzt Meta damit auf Augenhöhe mit ChatGPT Plus (20 Dollar) und Googles Gemini Advanced (19,99 Dollar) — kein Schnäppchenpreis, aber auch kein Ausreißer. Apple macht mit iCloud dieselbe Rechnung auf, Samsung mit Knox-Lizenzen. Meta will es mit KI auf dem Nasenrücken versuchen.
Wie tief Nutzer dafür tatsächlich in die Tasche greifen, hängt davon ab, wie überzeugend Hatch und Muse Spark im Alltag sind — und nicht im Demo-Video. Die Supersensing-Brille mit dauerhafter Kamera und Gesichtserkennung wird datenschutzrechtlich noch einige Diskussionen auslösen, bevor sie in der Breite ankommt. In Europa dürfte der Rollout deutlich länger dauern als in den USA.



