Zum 1. Juni schmeißt Lidl den bisherigen Rabattsammler samt Rubbellosen aus der Lidl-Plus-App und ersetzt beides durch ein klassisches Punktesystem. Wer Kaufland schon nutzt, kennt das Prinzip — gleicher Mutterkonzern, dieselbe Mechanik. Spannender als die Umstellung selbst ist eigentlich die Frage, warum sich die Schwarz-Gruppe so lange den Luxus zweier konkurrierender Bonus-Konzepte unter einem Dach geleistet hat.
Ein Punkt pro Euro — mit Aufrunde-Trick
Die Mechanik ist schnell erklärt: Pro ausgegebenem Euro gibt es einen Lidl-Punkt, wobei jeder angebrochene Euro großzügig auf den nächsten vollen Punkt aufgerundet wird. Wer also für 17,30 Euro einkauft, bekommt 18 Punkte. Neue Nutzer starten mit 50 Willkommenspunkten, und die gesammelten Punkte sind 24 Monate gültig — taggenau ab dem jeweiligen Einkaufsdatum, nicht als pauschales Jahresende-Verfallsdatum.
Eingelöst werden die Punkte in einem neuen Bereich der App, in dem laut Lidl über 200 verschiedene Gratisartikel und Rabatte stehen sollen — von Lebensmitteln bis zu Online-Shop-Gutscheinen. Das funktioniert kanalübergreifend, Filial-Einkäufe und Bestellungen im Lidl-Online-Shop laufen also auf denselben Punkte-Topf. Die bisherigen personalisierten Coupons und Lidl-Plus-Aktionen bleiben parallel bestehen.
Was die Punkte wirklich wert sind
Die eigentlich spannende Frage ist die, die Lidl in der Kommunikation umschifft: Was kostet eine Prämie in Punkten? Bei Payback ist das transparent — 100 Punkte sind ein Euro, also 0,5 Prozent Rabatt auf den Einkauf. Bei einem Prämien-Katalog hängt der reale Wert dagegen vom Einlöse-Verhältnis ab, und das wird in solchen Programmen typischerweise mit Bedacht so gewählt, dass besonders attraktive Prämien gefühlt erreichbar wirken, rechnerisch aber relativ teuer sind. Ohne den fertigen Katalog ist hier keine seriöse Bewertung möglich.
Ich kaufe selbst hin und wieder bei Lidl ein und habe die App schon eine Weile auf dem Telefon. Der spielerische Reiz der Rubbellose — einmal kratzen, gucken, ob 30 Prozent Rabatt auf etwas drin sind, das man eh kaufen wollte — fällt mit dem Wechsel weg. Dafür wird die Sache planbarer. Wer eine konkrete Prämie ansteuern will, kann seinen Punktestand künftig wie einen Kontostand führen, statt zu hoffen, dass das nächste Los etwas Brauchbares enthält. Ob das in Summe mehr oder weniger spart, hängt am Einlöse-Kurs — also an der Stelle, an die Lidl die Kunden noch nicht ranlässt.
Der Konzern angeglichen
Strategisch ist die Umstellung der naheliegende Schritt. Kaufland und Lidl gehören zur selben Holding, beide bedienen ähnliche Kundenstämme, und zwei parallele Bonus-Systeme im selben Konzern zu betreiben kostet doppelt Software, Marketing und Personal ohne erkennbaren Mehrwert. Aldi verzichtet bewusst weiter auf jede Art von App, Bonuskarte oder Couponing — wer das schätzt, hat zumindest noch die Alternative.
Wer regelmäßig mit DSGVO-Themen zu tun hat, denkt bei jedem Loyalty-Programm reflexhaft an die Datenseite. Jeder Einkauf hängt am Konto, jede Warenkorb-Zusammensetzung ist auswertbar, kombiniert mit Geräte- und Standortdaten ergibt sich ein ziemlich präzises Konsumentenprofil. Das ist weder neu noch Lidl-spezifisch — aber bei einer kompletten System-Umstellung lohnt der Hinweis, dass die neue Bequemlichkeit nicht umsonst kommt.
Ob die Lidl-Punkte am Ende mehr Sparpotenzial liefern als das alte Rubbellos-Modell, entscheidet sich an der Punkte-pro-Prämie-Quote, die ab Juni sichtbar wird. Bis dahin gilt: 50 Willkommenspunkte mitnehmen kostet nichts.



