Nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums dreht der Trend. Die Postbank Digitalstudie 2026 zeigt: Deutsche verbringen im Schnitt 67,4 Stunden pro Woche online — gut fünf Stunden weniger als noch im Vorjahr. Besonders bei Jüngeren unter 40 Jahren fällt der Rückgang auf. Der Grund dafür ist weniger banal, als er klingt.
Was die Zahlen sagen
67,4 Stunden pro Woche — das sind immer noch fast zehn Stunden täglich, über alle Geräte gerechnet. Der Rückgang von rund 72,4 auf 67,4 Stunden gegenüber dem Vorjahr entspricht etwa sieben Prozent. Besonders das Smartphone verliert: von 25,7 auf 23,9 Stunden wöchentlich insgesamt; bei den Unter-40-Jährigen sogar drei Stunden weniger, auf noch 31 Stunden pro Woche.
Am stärksten trifft es Social Media. Instagram und TikTok werden nur noch von 64 Prozent der Befragten regelmäßig genutzt, gegenüber 71 Prozent im Vorjahr. Online-Banking hält sich stabil über 50 Prozent — der Dienst, den Menschen nutzen, weil sie ihn brauchen, nicht weil der Algorithmus sie hält. Grundlage der Studie: 3.050 Befragte, erhoben April bis Mai 2026, repräsentativ nach Region, Alter und Geschlecht.
Absicht, keine Erschöpfung
Wer weniger online ist, nennt als Hauptgründe mehr Zeit für Familie, Freunde oder Hobbys (41 Prozent), weniger Ablenkung im Alltag (38 Prozent), gesundheitliche Überlegungen (36 Prozent) und bessere Konzentration (33 Prozent). Das sind aktive Entscheidungen — keine passive Sättigung durch zu viel Gleiches.
Bei Kundengesprächen höre ich das gelegentlich: „Das Handy kommt abends nicht mehr ins Schlafzimmer.“ Wer das erzählt, klingt selten, als würde er es bereuen. Dass 31 Prozent der Unter-40-Jährigen weitere Reduzierungen planen, deutet darauf hin: 2026 ist kein einmaliger Ausreißer.
KI dreht den Trend — oder verschiebt ihn nur?
Wer mehr Online-Zeit plant, nennt Künstliche Intelligenz als wichtigsten Treiber — 56 Prozent. Bereits 38 Prozent nutzen ChatGPT und ähnliche Tools für Informationsbeschaffung. Der Shift ist erkennbar: passives Scrollen verliert, gezielte Abfragen gewinnen.
Das halte ich für das dauerhaftere Signal dieser Studie. Plattformen, die von Aufmerksamkeit leben, dürfte ein strukturell verändertes Nutzungsmuster mittelfristig mehr zu schaffen machen als ein paar weniger Stunden im Feed — egal ob die Gesamtbilanz am Ende mehr oder weniger Bildschirmzeit ergibt.


