Drohne und Wasser, das war bislang ein Verhältnis mit klarer Rollenverteilung: fliegen ja, baden nein. Die HoverAir Aqua kehrt das um. Die vollständig wasserdichte Selbstflug-Kamera kann auf dem Wasser starten und landen, schwimmt von allein und ist seit dieser Woche regulär im Handel – verkauft über Amazon, von dort auch versendet, mit Lieferung schon in der kommenden Woche. Interessant ist dabei weniger das Konzept als der Preis dahinter.
Starten und landen auf dem Wasser – das ist der eigentliche Trick
Quadrocopter etwa von DJI fliegen problemlos über einen See, nur landen können sie darauf nicht, und nass werden dürfen sie schon gar nicht. Genau diese Lücke besetzt die Aqua. Sie ist nach IP67 geschützt, treibt durch positiven Auftrieb an der Oberfläche und lässt sich vom Wasser aus in die Luft schicken. Kippt sie beim Hineinwerfen auf den Rücken, dreht sie sich per „Turtle Flip“ selbst wieder um. Faltbar ist sie deshalb nicht – ein Klappmechanismus wäre eine Schwachstelle für eindringendes Wasser.
Unter der Hülle sitzt ein 1/1,28-Zoll-CMOS-Sensor, der 4K-Video mit bis zu 100 Bildern pro Sekunde und Fotos mit 12 Megapixeln aufnimmt. Dazu kommen 23 Minuten Flugzeit, 55 km/h Spitze, 128 GB interner Speicher und ein 1,6-Zoll-AMOLED-Display am Gehäuse, das die Vorschau auch ohne Handy zeigt. Mit 249 Gramm bleibt die Aqua knapp unter der 250-Gramm-Grenze, was den Betrieb in der EU spürbar vereinfacht – die C0-Klasse erspart in vielen Fällen die Registrierung. Ein Detail, das HoverAir als Branchenpremiere verkauft: ein mmWave-Radar, das die Wellenhöhe erkennen soll, um Start und Landung über bewegtem Wasser sicherer zu machen.
Als jemand, der seine Kamera lieber selbst in der Hand hält, war ich bei Selbstflug-Drohnen lange skeptisch – beim Wassersport allerdings ergibt das Konzept Sinn, weil die Hände beim Paddeln oder Surfen schlicht anderweitig beschäftigt sind.

Lighthouse statt Fernbedienung – und wo es in der Praxis hakt
Gesteuert wird ohne Smartphone. Ein tragbares Armband namens Lighthouse übernimmt Start, Rückkehr und Richtungsvorgaben, dazu hält ein RTK-System den Abstand laut Hersteller zentimetergenau – auch dann, wenn der Sportler hinter einer Welle kurz verschwindet. Auf dem Papier löst das genau die Probleme, an denen normale Tracking-Drohnen am Wasser scheitern.
Die ersten Tests trüben das Bild ein wenig. Das Fachmagazin TechRadar nennt die Aqua zwar in ihrer Nische derzeit konkurrenzlos, berichtet aber zugleich von schwankender Bildkomposition beim Lighthouse-Tracking, gelegentlich abreißender Verbindung und einem Wassertropfen auf dem Objektiv, der trotz hydrophober Beschichtung Aufnahmen kostete. Die 23 Minuten Flugzeit sind zudem knapp bemessen – eine durchschnittliche Paddeltour übersteht ein einzelner Akku nicht. Nicht ohne Grund leben die teureren Pakete vor allem von den mitgelieferten Ersatzakkus.

1.299 Euro für eine sehr spezielle Zielgruppe
Das Standardpaket kostet 1.299 Euro. Wer Ersatzakkus dazunimmt, zahlt 1.499 Euro, das Komplettpaket mit Beacon und Joysticks liegt bei 1.699 Euro. Zur Einordnung: Eine DJI Neo, die wohl bekannteste Follow-Me-Drohne, gibt es ab rund 200 Euro – sie kann nur weder schwimmen noch nass werden. Selbst HoverAirs eigenes bisheriges Spitzenmodell, die X1 Pro Max mit 8K-Aufnahme, lag bei etwa 700 Euro; die Aqua kostet also rund 600 Euro mehr als alles, was die Marke bislang im Programm hatte.
Der Aufpreis kauft genau eine Eigenschaft: Wasserfestigkeit. Wer seine Aufnahmen über trockenem Land macht, hat davon nichts und ist mit einer deutlich günstigeren Drohne besser bedient. Für Wassersportler dagegen ist die Aqua nach aktuellem Stand schlicht die einzige Option am Markt, die diese Aufgabe überhaupt erledigt.
Damit steht die HoverAir Aqua an einer ungewöhnlichen Stelle: ein Produkt ohne direkte Konkurrenz, das sich seinen Preis genau deshalb leisten kann. Die offene Frage ist nicht die Technik, sondern die Zielgruppe – wie viele Menschen kommen oft genug aufs offene Wasser, um 1.299 Euro samt ein, zwei Ersatzakkus zu rechtfertigen? Wer regelmäßig surft, kitet oder mit dem SUP unterwegs ist, dürfte sie trotzdem auf dem Schirm haben.
