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Hermes Desktop: Nous Research veröffentlicht quelloffenen KI-Agent unter MIT-Lizenz

Nous Research hat Hermes Desktop veröffentlicht – einen quelloffenen KI-Agenten unter MIT-Lizenz, der über Telegram, Discord, WhatsApp und weitere bestehende Kanäle steuerbar ist und lokal, per Docker oder SSH ausgeführt werden kann. Aktuell als Public Preview für Windows, macOS und Linux verfügbar.

Code auf einem Bildschirm mit KI-Unterstützung – symbolisch für KI-Agenten und automatisierte Aufgaben
Foto: Pexels / Lizenz: Pexels-Lizenz

Während die meisten KI-Agenten-Tools als SaaS-Abo kommen oder hinter proprietären Laufzeitumgebungen stecken, geht Nous Research einen anderen Weg: Hermes Desktop erscheint als quelloffene Software unter MIT-Lizenz — plattformübergreifend für Windows, macOS und Linux. Seit dem 3. Juni 2026 ist die Anwendung als Public Preview auf GitHub verfügbar.

Ein Agent, der kommt, wo man schon ist

Das Designprinzip hinter Hermes Desktop ist ungewöhnlich: Statt ein weiteres Chat-Interface zu bauen, integriert sich der Agent in Kanäle, die Nutzer ohnehin benutzen — Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal, E-Mail oder das Terminal. Man schickt eine Nachricht, der Agent arbeitet asynchron und meldet sich zurück. Kein separates Browserfenster, kein neues Login.

Zur Ausstattung gehören eine persistente Erinnerungsfunktion, die Projekte und Lösungsansätze über mehrere Sitzungen hinweg speichert, ein Aufgabenplaner in natürlicher Sprache sowie die Möglichkeit, Unteragenten mit eigenen Terminals und Python-Skripten einzusetzen. Websuche, Bildgenerierung und Text-to-Speech sind ebenfalls dabei.

Fünf Backends, 300 Modelle — und eine Public Preview

Für die Ausführung stehen fünf Umgebungen bereit: lokal, Docker, SSH, Singularity und Modal. Das ist eine ungewöhnlich breite Palette — vom privaten Rechner über containerisierte Umgebungen bis zum HPC-Cluster. Über das Nous Portal gibt es laut Hersteller Zugriff auf mehr als 300 KI-Modelle, sowohl im kostenlosen als auch im kostenpflichtigen Tier.

Die aktuelle Version trägt die Bezeichnung v0.15.2 und das Etikett „Public Preview“ — das ist kein Understatement, sondern ein ehrlicher Hinweis auf den Reifegrad. Für den Produktivbetrieb in einer Unternehmensumgebung ist das heute noch nichts; für Evaluierungen und erste Experimente reicht es.

In der aktuellen KI-Agenten-Landschaft ist eine MIT-Lizenz kombiniert mit echtem Lokal-Betrieb die Ausnahme — die meisten ernsthaft nutzbaren Frameworks binden an Cloud-APIs, proprietäre Laufzeiten oder zeitlich begrenzte Free Tiers. Nous Research ist bisher vor allem für das Hermes-Sprachmodell bekannt. Ob das Team auch einen Agenten dauerhaft pflegen kann, der diese Unabhängigkeit hält, wenn das Projekt wächst und erste Enterprise-Anfragen kommen, ist eine offene Frage. Das Versprechen — MIT, lokal, cross-platform — ist jedenfalls das richtige.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.