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‚Zeitalter der Agenten‘: GitLab entlässt jeden siebten Mitarbeiter

GitLab entlässt rund 350 Mitarbeiter und begründet das mit dem „Zeitalter der Agenten" — einer KI-getriebenen Reorganisation, die Management-Ebenen streicht und Teams verschlankt. Dass der Umsatz gleichzeitig um 23 Prozent wächst, macht die eigentliche Botschaft deutlicher.

Software-Entwicklerinnen und -Entwickler arbeiten in einem modernen Büro an Computern

Wenn ein Unternehmen, dessen Umsatz gerade um 23 Prozent gewachsen ist, trotzdem 14 Prozent seiner Belegschaft entlässt, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Sprache. CEO Bill Staples formuliert es so: Das „Zeitalter der Agenten“ biete GitLab „die größte Chance in der Unternehmensgeschichte“. Was er damit meint: rund 350 der etwa 2.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Job.

KI-Agenten als Reorganisationsplan

Konkret sieht das Programm so aus: Die F&E-Abteilung wird in etwa 60 kleinere, autonomere Teams umgebaut, bis zu drei Management-Ebenen verschwinden. KI-Agenten sollen künftig Code-Reviews, Freigaben und Team-Übergaben automatisieren — also genau die Prozesse, für die heute Koordinationsaufwand und damit Köpfe gebraucht werden.

Das ist nicht ganz unwahr: Wer KI-Coding-Tools im täglichen Betrieb einsetzt, merkt, dass bestimmte Überprüfungsschritte tatsächlich schneller werden. Die Frage ist nur, ob das den Abbau von 350 Stellen rechtfertigt — oder ob hier KI-Rhetorik einen klassischen Effizienzschnitt aufhübscht. Das „Zeitalter der Agenten“ klingt nach Aufbruch, meint aber vor allem: weniger Overhead, höhere Marge.

Was wirklich gestrichen wird

Die Zahlen sind eindeutig: 350 Jobs werden gestrichen, das Unternehmen zieht sich aus 22 Ländern zurück — ein Minus von 37 Prozent bei der geografischen Präsenz. Die Restrukturierungskosten beziffert GitLab laut Quartalsbericht auf 30 bis 35 Millionen US-Dollar vor Steuern. CEO Staples betont, dass sich für Kunden weder Roadmap-Zusagen noch Vertragsbedingungen ändern und der Support unterbrechungsfrei weiterläuft.

Bei meinen Kunden, die GitLab für ihre Entwicklungsprojekte einsetzen, ist die Frage nach der Plattformwahl schon länger ein Thema — selbst gehostet oder SaaS, welche Features wirklich genutzt werden, ob GitHub Copilot inzwischen nicht genauso viel kann. Dieser Umbau dürfte den Positionierungsdruck auf GitLab eher erhöhen, nicht verringern.

23 Prozent Umsatzplus — und trotzdem 350 Kündigungen

Q1 FY2027: 264 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 23 Prozent im Jahresvergleich, Abo-Erlöse von 239 Millionen Dollar. GitLab ist kein Unternehmen in der Krise — es ist eines im Umbau, weil der Erwartungsdruck im laufenden KI-Zyklus enorm ist. Investoren wollen Marge sehen, und KI liefert die Begründung, warum der Stellenabbau diesmal keine Schwäche signalisiert, sondern Weitsicht.

Andere werden folgen und ähnlich klingen. Das „Zeitalter der Agenten“ ist offenbar auch das Zeitalter der aufgemotzten Restrukturierungsmeldung.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.