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Gemini Spark: Googles KI-Agent arbeitet weiter, wenn der Rechner aus ist

Google startet mit Gemini Spark einen autonomen KI-Agenten, der Aufgaben in Gmail, Kalender und Workspace-Apps selbstständig erledigt — ohne laufendes Gerät. Zunächst nur für US-Nutzer des teuersten Google-Abos verfügbar.

Gemini Spark – Googles autonomer KI-Agent erledigt Aufgaben im Hintergrund
Bild: Google

„KI-Assistent“ ist seit zwei Jahren eines der fleißigsten Wörter im Tech-Marketing. Dass Gemini Spark trotzdem einen Blick verdient, liegt an einer einzigen technischen Entscheidung: Google betreibt den neuen Agenten auf eigenen Cloud-VMs — selbst dann noch, wenn Laptop oder Smartphone längst aus ist. Das verändert die Nutzungslogik, auch wenn es im Marketing-Rauschen leicht untergeht.

Keine offene Session nötig: Spark läuft im Hintergrund

Im Unterschied zu einem normalen Chatbot-Gespräch, das endet, sobald man das Fenster schließt, hält Spark einen eigenständigen Prozess auf Googles Infrastruktur am Laufen. Der Assistent basiert auf Gemini 3.5 und nutzt eine interne Koordinationsschicht namens „Antigravity-Harness“, die verschiedene Google-Dienste verbindet. Konkret: Der Agent kann nachts E-Mails sortieren, morgens einen Kalender-Überblick zusammenstellen oder wöchentlich Newsletter-Zusammenfassungen erstellen — ohne weitere Nutzerinteraktion. Bis zu 15 gleichzeitige Aufgaben sind möglich; wichtige Aktionen fragt Spark vorher ab, es läuft nicht blind durch.

Das ist mehr als eine Infrastruktur-Spielerei. Was Copilot, ChatGPT und Claude im Standard-Chat-Modus nicht leisten — eine Aufgabe über das Gesprächsfenster hinaus laufen lassen —, kann Spark. Das klingt unspektakulär, bis man merkt, dass genau das der Engpass bei allen anderen ist.

Praxistest: Newsletter ja, Google Keep nein, externe Buchung noch nicht

TechCrunch hat Spark in einer frühen Testphase ausprobiert, die Ergebnisse sind gemischt. Shopping-Angebote durchsuchen, lokale Veranstaltungen finden, Newsletter-Highlights komprimieren: Das klappte zuverlässig. Eine Packing-Liste für einen Ausflug lieferte der Agent ohne Umwege inklusive Wetterhinweisen — das sind Aufgaben, für die man bisher entweder einen eigenen Cron-Job oder eine IFTTT-Automatisierung gebastelt hätte.

Daneben gibt es Lücken, die keine Kleinigkeiten sind: Google Keep wird nicht unterstützt. Wer Notizen dort ablegt, muss auf Docs oder E-Mail ausweichen. Externe Plattformen — Restaurantbuchungen, Flugpreisvergleiche — sind noch außen vor; MCP-Unterstützung soll folgen, ein konkretes Datum gibt es nicht. Der Agent bewegt sich ausschließlich in Gmail, Kalender, Docs, Sheets und Slides. Wer einen gemischten Workflow hat — Microsoft 365, externe Tools, lokale Ablage — bekommt heute praktisch nichts.

Bei meinen KMU-Kunden ist das eine echte Trennlinie: Wer komplett in Workspace lebt, kann sich mit Spark beschäftigen. Wer halb bei Microsoft hängt, halb bei Google, wird derzeit mit einem halben Agenten abgespeist.

Google vs. Microsoft: Cloud-Automatik gegen lokalen Chip

Das Timing ist nicht zufällig gesetzt. Während Google seinen Agenten zentralisiert in der Cloud betreibt, hat Microsoft auf der laufenden Computex Windows-PCs mit Nvidia-Chips angekündigt, die KI-Aufgaben lokal ausführen sollen. Zwei entgegengesetzte Ansätze: Cloud-Ausführung schützt nicht die Daten, ist aber gerät-agnostisch und immer aktuell; lokale KI bleibt offline-fähig und hält Daten auf dem Gerät, braucht aber neue Hardware.

Für Deutschland ist das vorerst eine theoretische Frage. Gemini Spark ist ausschließlich für US-Nutzer von Google AI Ultra verfügbar — Googles teuerstem Abo-Tier. Wann Europa drankommt, hat Google bislang nicht kommuniziert. Der genaue Abonnement-Preis war zum Zeitpunkt der Tests öffentlich nicht bestätigt.

Ein Agent, der ohne laufendes Gerät Aufgaben erledigt, ist kein Marketing-Versprechen mehr — das ist ein echter Schritt. Google muss jetzt zeigen, ob der europäische Rollout und die fehlenden Integrationen schnell genug folgen, während OpenAI und Microsoft das Segment gleichzeitig bearbeiten.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.