München (ots) –

YouTube, X, BILD – welche Medienmarken beeinflussen die öffentliche Meinung besonders stark und wie kann Meinungsvielfalt in unserer demokratischen Gesellschaft gesichert werden? In Zeiten der Digitalisierung konzentriert sich Meinungsmacht längst nicht mehr nur auf das Fernsehen, wie im geltenden Medienkonzentrationsrecht angenommen. Eine Reform der Vielfaltssicherung und Meinungsmachtkontrolle ist daher dringend notwendig, so das Fazit des Forschungsprojekts „Messung von Meinungsmacht und Vielfalt im Internet“. Mit dem neuen „Meinungsmacht-Monitor“ fordern die Forschenden einen medienpolitischen Paradigmenwechsel.

Das Forschungsprojekt wurde gefördert vom Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Wie kann Meinungsmacht im digitalen Plattformzeitalter gemessen werden? Das Forschungsteam der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München schlägt die Ablösung der fernsehzentrierten, reformbedürftigen Konzentrationskontrolle durch ein modulares Meinungsmacht-Monitoring vor. Zwar erwähnt bereits die Protokollerklärung zum Medienstaatsvertrag 2020 Bestrebungen für ein zukunftsfähiges Medienkonzentrationsrecht, eine Reform steht jedoch bislang aus. Das Monitoring soll helfen, Meinungsmacht in komplexen Medienumgebungen besser zu erfassen.

Im jüngsten „bidt Impuls“, der Abschlusspublikation zum Forschungsprojekt “ Messung von Meinungsmacht und Vielfalt im Internet„, skizzieren die Autorinnen und Autoren – Prof. Dr. Birgit Stark, Prof. Dr. Carsten Reinemann, Lisa Zieringer M.A., Daniel Stegmann M.A. – den dringenden medienpolitischen Handlungsbedarf.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Stark begründet das so:“Die digitale Transformation erfordert innovative Lösungen, um die Grundprinzipien der demokratischen Meinungsbildung zu bewahren. Die bisherigen Steuerungsinstrumente zur Messung von Meinungsmacht sind in Zeiten von Google, Facebook und Co. lange überholt. Mit dem Meinungsmacht-Monitoring möchten wir einen Beitrag zur zukunftsfähigen Gestaltung der Medienlandschaft leisten.“

BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege betont: „Die Studie gibt einen wichtigen Impuls für die Diskussion der erforderlichen Reform des Medienkonzentrationsrechts.“

Dr. Christoph Egle, bidt-Geschäftsführer, ergänzt: „Wir freuen uns, dass das gemeinsam mit der BLM geförderte Forschungsprojekt mit klaren medienpolitischen Handlungsempfehlungen zum Abschluss kommt.“

Baukastensystem bezieht auch Mediennutzung, Medienvertrauen und Medieninhalte ein

Das Monitoring bezieht alle Mediengattungen sowie Medienintermediäre ein und analysiert Nutzung, Inhalte und Wirkungen von Medienmarken. Um Gefährdungspotenziale zu ermitteln, kombiniert es in einem Baukastensystem verschiedene Analysedimensionen und Methoden. Ziel ist es einerseits, ein Bild über die Nutzung von Informationen zu aktuellen Ereignissen zu erhalten – vor allem, inwieweit sich die Zugangswege unterscheiden. Andererseits verknüpft es die Angebots- mit der Nutzerseite. So kann beispielsweise festgestellt werden, welche Bevölkerungsgruppen faktisch welche Medienvielfalt rezipieren.

Das System kann Hinweise für Gefährdungen der freien Meinungsbildung liefern und das Bewusstsein für Medienqualität fördern. Daraus lassen sich auch konkrete Regulierungsmaßnahmen ableiten. Insgesamt zielt es darauf ab, eine transparente Basis für medienpolitische Entscheidungen zu schaffen und so Vielfalt als Voraussetzung für die freie Meinungsbildung in einer sich schnell wandelnden Medienlandschaft zu sichern.

Drei medienpolitische Handlungsempfehlungen für zeitgemäße Vielfaltssicherung

Der von den Forschenden geforderte Paradigmenwechsel beinhaltet drei Kernanliegen:

Abkehr von der fernsehzentrierten Konzentrationskontrolle: Stattdessen soll eine Gefährdungskontrolle mittels kontinuierlicher Beobachtung und Evaluation aufgebaut werden. Ausbau der Forschungsinfrastrukturen für evidenzbasierte Handlungsempfehlungen: Ein langfristig angelegter Meinungsmacht-Monitor, für den verschiedene Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, soll relevantes Wissen für medienpolitische Entscheidungen liefern. Etablierung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Vielfaltssicherung: Eine moderne Vielfaltssicherung sollte sich im digitalen Plattformzeitalter von der reinen Anbieterkontrolle lösen und sowohl inhaltliche als auch genutzte Vielfalt mitberücksichtigen.

Zum „bidt Impuls“ mit dem Titel „Monitoring von Meinungsmacht: Ein neuer Ansatz zur Sicherung vielfältiger Meinungsbildung im Plattformzeitalter“: https://ots.de/fmyDoJ

Über uns:

Die staatsferne Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) beaufsichtigt private Radio- und Fernsehprogramme sowie Plattformen und Intermediäre in Bayern. Zu ihren Aufgaben gehören Vielfaltssicherung, Jugendmedienschutz, Medienkompetenz-Vermittlung und Ausbildungsförderung.

Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) ist ein Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es trägt dazu bei, die Entwicklungen und Herausforderungen des digitalen Wandels besser zu verstehen. Damit liefert es die Grundlagen, um die digitale Zukunft im Dialog mit der Gesellschaft verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert zu gestalten. Das bidt fördert herausragende interdisziplinäre Forschung und liefert als Think Tank Entscheidungstragenden in Politik und Wirtschaft evidenzbasierte Empfehlungen. Forschung findet am Institut im offenen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft statt.

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Quelle: Presseportal