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Gamaredon nutzt WinRAR-Lücke CVE-2025-8088 — der Patch ist seit Juli 2025 da

Die FSB-nahe Hackergruppe Gamaredon nutzt die WinRAR-Schwachstelle CVE-2025-8088 für Angriffe auf Ukraine — mit Malware, die 71 verschlüsselte Module im Windows-Registry versteckt. WinRAR 7.13 behebt das Problem, viele Systeme laufen noch ohne Update.

Sicherheitsanalytiker am Bildschirm mit Programmcode – symbolisch für Cybersicherheit und Schwachstellen

Zehn Monate nach dem Fix nutzt eine FSB-nahe Hackergruppe eine WinRAR-Schwachstelle aktiv aus. Ziele sind ukrainische Regierungs- und Militärnetzwerke, die Malware ist außergewöhnlich aufwändig gebaut. Für alle, die WinRAR noch nicht auf 7.13 aktualisiert haben: das ist die Erinnerung.

CVE-2025-8088 — Patch vorhanden, Ausnutzung trotzdem aktiv

CVE-2025-8088 ist eine Path-Traversal-Lücke in WinRAR bis Version 7.12 (CVSS 8.4). Speziell präparierte Archive extrahieren Dateien in beliebige Verzeichnisse — darunter direkt in den Windows-Startordner, ohne weitere Nutzerinteraktion nötig. Der Patch steht seit WinRAR 7.13 Final (Juli 2025) bereit. Google Threat Intelligence bestätigt trotzdem aktive Ausnutzung bis mindestens Ende Januar 2026 — durch mehrere Akteure gleichzeitig: Gamaredon, weitere russische und chinesische Staatshacker sowie finanziell motivierte Gruppen.

Bei meinen KMU-Kunden ist WinRAR auf etlichen Rechnern installiert, meist in Versionen, die seit dem letzten Hardware-Rollout einfach mitlaufen. Zentrales Update-Management für so eine Desktop-Anwendung fehlt vielerorts — genau da liegen die offenen Flanken.

Zwei Malware-Familien, technisch bemerkenswert aufgebaut

Die Infektion beginnt mit einem XHTML-Dokument per Spear-Phishing, das per HTML-Smuggling ein präpariertes RAR-Archiv nachlädt. CVE-2025-8088 schreibt dann direkt eine HTA-Datei in den Windows-Startordner. Danach läuft die Kette: GammaPhish → GammaLoad (VBScript-Loader) → GammaWorm und GammaSteel.

GammaWorm verbreitet sich über USB-Laufwerke und Netzwerkfreigaben, indem es legitime Verzeichnisse versteckt und durch bösartige LNK-Shortcuts ersetzt. GammaSteel ist raffinierter: 71 verschlüsselte PowerShell-Module, ausschließlich in der Windows-Registry gespeichert, per Windows DPAPI geschützt — kein einziges Dateisystem-Artefakt. Exfiltration läuft zu AWS S3 oder direkt auf Angreifer-Server.

Das ist kein Skript-Kiddie-Werkzeug. Die Sekoia-Analysten, die die Kampagne seit Januar 2026 dokumentieren, beschreiben das Design als „resilient, massive, highly obfuscated“ — klassische signaturbasierte Erkennung kommt hier schnell an ihre Grenzen.

Telegram als toter Briefkasten — ein Problem für Netzwerk-Admins

Für Command and Control nutzt GammaWorm Dead-Drop-Resolver: öffentliche Seiten auf Telegram, Telegra.ph und Cloudflare Workers, auf denen die aktuellen C2-Adressen hinterlegt sind. Wer glaubt, das mit Domain-Blocklisten lösen zu können, wird schnell merken, dass das nicht funktioniert — die Angreifer operieren auf Diensten, die niemand ernsthaft sperren kann.

Unmittelbare Maßnahme: WinRAR 7.13 installieren. Der Patch ist seit zehn Monaten verfügbar, die Ausnutzung läuft trotzdem noch. RAR-Anhänge aus E-Mails gehören grundsätzlich in die Hochrisiko-Kategorie, auch wenn der Absender bekannt wirkt. Gamaredon zielt primär auf Ukraine — aber CVE-2025-8088 wird parallel von mehreren Akteuren weltweit verwendet. Wer das Risiko auf Osteuropa eingrenzen möchte, unterschätzt, wie vielseitig diese Schwachstelle inzwischen eingesetzt wird.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.