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Fitbit Air: Google streicht den Bildschirm — und gleich auch die Fitbit-App

Mit dem Fitbit Air bringt Google den ersten bildschirmlosen Tracker der Marke — und schiebt im selben Atemzug die alte Fitbit-App in Rente. Was hinter dem Doppel-Launch wirklich steckt.

Google Fitbit Air bildschirmloser Fitness-Tracker mit Performance Loop Band in verschiedenen Farben
Bild: Google

Google bringt mit dem Fitbit Air den ersten bildschirmlosen Tracker der Marke auf den Markt — und schiebt im selben Atemzug die jahrealte Fitbit-App in Rente. Kein Zufall. Hardware-Launch und Plattform-Umzug fallen zusammen, und wer jahrelang Fitbit genutzt hat, findet sich seit dem 19. Mai 2026 in der „Google Health“-App wieder. Vorbestellbar ist der Tracker ab sofort zu 99,99 Euro, im US-Handel landet er am 26. Mai.

Was der Tracker kann

Der Fitbit Air ist ein kieselsteinförmiges Stück Plastik mit Stoffband — ohne Display, ohne Knopf, gerade einmal zwölf Gramm schwer inklusive Band. An Bord ist die Sensorik, die Fitbit in den letzten Jahren in die größeren Modelle gepackt hat: Herzfrequenz rund um die Uhr, Blutsauerstoff, Hauttemperatur, Herzratenvariabilität, Erkennung von Vorhofflimmern, Schlafphasen. Wasserdicht bis 50 Meter, Akku bis zu sieben Tage. In fünf Minuten lädt das Ding für einen Tag nach. Bewegungen erkennt der Tracker automatisch und schickt einen Trainings-Rückblick aufs Handy.

Im Vergleich zum Inspire 3 ist der Air etwa halb so groß, gegenüber dem Luxe noch ein Viertel kleiner. Damit landet Google in einem Marktsegment, das bisher vor allem Whoop und der Oura-Ring besetzt hatten: Geräte für Leute, die Gesundheitsdaten erfassen wollen, aber kein zweites Smartphone am Handgelenk tragen.

Der eigentliche Punkt — alles läuft über die App

Ohne Display gibt es keine Ablesemöglichkeit am Gerät. Jede Auswertung passiert in der neuen Google-Health-App, der umbenannten Nachfolgerin der alten Fitbit-Anwendung. Wer wie ich seit Jahren mitbekommt, wie übernommene Plattformen vom Käufer Schritt für Schritt ins eigene Konto-Ökosystem gezogen werden, kennt das Muster: erst die Marke behalten, dann die Funktionen umbauen, am Ende den Login. Bei Fitbit hat das fünf Jahre gedauert — Google hatte den Hersteller 2021 übernommen.

Konkret heißt das: Wer noch ein Fitbit-Konto aus der Vor-Google-Zeit hatte, musste bis zum 19. Mai 2026 auf ein Google-Konto wechseln. Sonst droht der Verlust der Synchronisationsfähigkeit und der gespeicherten historischen Daten. Eingewachsene Drittanbieter-Integrationen — Apple Health, Peloton, MyFitnessPal — sollen weiter funktionieren. Eine solche Migration lässt sich im Pressetext leichter ankündigen, als sie am ersten produktiven Wochenende durchläuft.

Das Herzstück der neuen App ist ein KI-Coach auf Gemini-Basis. Google nennt ihn „Google Health Coach“, er soll aus den Messwerten personalisierte Empfehlungen zu Schlaf, Belastung und Erholung zusammenstellen — und kann sogar Fotos von Trainingsplänen oder Cardio-Geräten interpretieren. Klingt nach mehr, als am Ende ankommt. Die Wertigkeit solcher Coachings entscheidet sich daran, ob die Empfehlungen jenseits von „öfter Wasser trinken, früher schlafen“ Substanz haben, sobald das System das individuelle Profil über Monate kennt.

Abo-Modell mit erkennbarem Beigeschmack

Der Tracker kostet 99,99 Euro, die Stephen-Curry-Sonderedition 129,99 US-Dollar. Mitgeliefert werden drei Monate „Google Health Premium“ — das frühere Fitbit Premium mit erweitertem Funktionsumfang. Wer den KI-Coach, adaptive Trainingspläne oder detaillierte Schlafanalysen dauerhaft will, zahlt danach 9,99 US-Dollar im Monat. Inhaber eines hochpreisigen Google-AI-Abos bekommen die Premium-Funktionen ohne Aufpreis dazu — ein klassischer Bundle-Versuch, Abos auf andere Abos zu stapeln.

Pikant ist nicht der Preis, sondern dass eine Hardware, die ohne ständig laufende App ohnehin nichts kann, sinnvolle Funktionen zusätzlich hinter einem Abo verriegelt. Ohne Premium ist der Air ein präziser Schrittzähler mit Pulsmessung. Im Vergleich zu Whoop (reines Abo) und Oura (Kauf plus optionales Abo) ist das eine bewusste Designentscheidung, keine Versehensfolge.

Zwei Marken, eine Datenbasis

Mit dem Air zeichnet sich Googles Wearable-Strategie deutlicher ab: Pixel Watch bleibt die Smartwatch, Fitbit wird der spezialisierte Gesundheits-Tracker. Beide funken in dieselbe App, dieselbe Cloud, denselben Coach. Aus Konsumentensicht ein klassischer Plattform-Effekt — je länger dabei, desto schwerer wieder weg. Die KI-Auswertungen nach drei Monaten beim Durchschnittsnutzer entscheiden, ob das Konzept trägt. Oder ob der Coach anfängt, dieselben Trivialitäten zu wiederholen, die jeder Wearable-Käufer schon kennt.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier.Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.