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Figure 03 im Acht-Tage-Marathon: Was der Stream wirklich zeigt — und was nicht

Drei Figure-03-Roboter haben acht Tage am Stück Pakete sortiert — fast 250.000 Stück, ohne Hardware-Ausfall. Was die Aktion über die Reife humanoider Robotik aussagt und welche Frage offen bleibt.

Humanoider Roboter in dunklem Industrie-Umfeld als Symbolbild für den Figure-03-Dauertest

Aus einer geplanten Acht-Stunden-Schicht wurden am Ende acht Tage. Figure AI hat drei seiner Figure-03-Roboter am Fließband Pakete sortieren lassen — 200 Stunden am Stück, 249.560 Päckchen, kein Hardware-Ausfall. Übertragen auf eine Echtwelt-Werkshalle ist das eine Aussage, auch wenn sie unter PR-Bedingungen entstand.

Acht Tage am Fließband — und das war erst der Anfang

Die Idee zur Aktion entstand nach Firmenangaben spontan, nachdem ein Robotiker den Hersteller herausgefordert hatte, die Belastbarkeit des Figure 03 zu zeigen. Aus der ersten Schicht ohne Aussetzer wurden 20 Stunden, dann 200. Drei Roboter — die Stream-Zuschauer tauften sie Bob, Jim und Rose — wechselten sich ab: war der Akku nach rund vier Stunden leer, fuhr der betroffene Roboter selbstständig zur drahtlosen Ladestation, ein Kollege übernahm den Platz am Band. Kleinere Fehler gab es durchaus, ein heruntergefallenes Paket hier, ein verrutschtes da. Aber keinen Stillstand.

Wo der Mensch (noch) gewinnt

Bemerkenswert ist eine zweite Demo, die Figure AI parallel gefahren hat. Ein Praktikant trat in einer Zehn-Stunden-Schicht gegen den Roboter an. Endstand 12.924 zu 12.732 Pakete — der Mensch lag mit 2,79 Sekunden pro Paket vorn, knapp vor den 2,83 Sekunden des Roboters. Allerdings: körperlich am Anschlag, wie das Unternehmen selbst einräumt. Firmengründer Brett Adcock kommentierte trocken, das sei das letzte Mal, dass ein Mensch gewinne. Mag sein.

Vom BMW-Werk ins Wohnzimmer — und die eigentliche Hürde

Die Story hinter der Story ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Verfügbarkeit. In meiner täglichen Arbeit mit KMU-Hardware habe ich gelernt: ein Server, der unter Last über Tage ohne Fehler durchläuft, ist im Wartungsprotokoll wichtiger als einer, der spitzenmäßige Benchmarks liefert. Ausfälle kosten Geld — bei humanoiden Robotern in deutlich höherem Maße als bei klassischer Fließbandtechnik, schon weil Wiederbeschaffung und Stillstandsfolgen ganz anders aussehen. Genau hier setzt Figure 03 an: Er ist der erste Roboter der Firma, der ausdrücklich für die Massenfertigung entworfen wurde. Die Vorgänger 01 und 02 sind seit einiger Zeit in BMW-Werken im Einsatz, der 03 bleibt mit 1,70 Meter und 60 Kilogramm kleiner und leichter als sein Vorgänger und wird vom firmeneigenen Helix-02-KI-System gesteuert.

Was bleibt nach acht Tagen Stream? Ein guter Marketing-Move und ein Datenpunkt, den die Branche so noch nicht hatte. Ein Live-Stream ist kein randomisierter Test über mehrere Standorte, und 249.560 Pakete in einer kontrollierten Umgebung sind etwas anderes als ein Schichtbetrieb mit wechselnden Paketformaten, Maschinenfehlern und Personalwechsel. Dass die drei Roboter überhaupt durchgehalten haben, ist trotzdem ein Signal an Tesla mit Optimus, 1X Technologies mit Neo und Boston Dynamics mit dem elektrischen Atlas. Die Folgefrage ist allerdings langweiliger als die Schlagzeile: Was kostet eine Schicht, wenn die Kamera aus ist?

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.