Seit dem frühen Nachmittag hängen E-Mails in Warteschlangen — Exchange Online hat heute einen kritischen Schluckauf. Microsoft hat den Vorfall bestätigt, untersucht Berichte aus Deutschland und Nordamerika, nennt jedoch weder eine Ursache noch einen Zeitplan zur Behebung. Wäre das das erste Mal, könnte man es verschmerzen.
Was konkret nicht funktioniert
Beim E-Mail-Versand über Exchange Online tauchen zwei Klassen von SMTP-Fehlern auf: Entweder meldet der Server, die maximale Anzahl gleichzeitiger Verbindungen pro Resource Forest sei überschritten und bricht die Übertragung sofort ab — oder Postserver antworten mit „Connection was closed abruptly“. Beides führt zum gleichen Ergebnis: Nachrichten stapeln sich in der Queue, teils länger als eine Stunde, bevor sie zugestellt werden oder mit einem Fehler zurückkommen.
Microsoft führt den Vorfall unter der Incident-ID EX1331830 im Admin Center. Das Unternehmen teilt mit, man analysiere „zusätzliche Berichte von Kunden aus Nordamerika und Deutschland“, um das Ausmaß zu verstehen. Klingt nach einem geordneten Prozess — bis man die Häufigkeit in Relation setzt.
Fünf nennenswerte Ausfälle in acht Wochen
April 2026: Mailbox-Zugriffsprobleme. Dann Kalender und Outlook Web Access. Mai: Teams- und Office-Web-Dateizugriff nicht erreichbar. Kurz danach: MFA-Einrichtung und MySignIn ausgefallen. Und jetzt, Anfang Juni: SMTP. Wie BleepingComputer berichtet, ist das bereits der fünfte nennenswerte Vorfall seit April.
Wer schon mal einem Kunden erklären durfte, warum seine dringenden Auftragsbestätigungen irgendwo in der Queue verschwunden sind — und die einzige ehrliche Antwort lautete „Microsoft hat gerade ein Problem“ — weiß, wie diese Konversation endet. Fünf Vorfälle in acht Wochen sind kein Pech. Das ist ein strukturelles Verlässlichkeitsproblem.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
E-Mail gilt in den meisten Betrieben als selbstverständlich — solange sie funktioniert. Exchange Online ist heute der Standard für einen Großteil der mittelständischen Unternehmen in Deutschland, und damit hängt täglich die Auftragsabwicklung, die Rechnungsstellung und interne Kommunikation an Microsofts Infrastruktur.
Das ist kein Aufruf zurück zum selbst betriebenen Exchange-Server. Aber ein Notfallkonzept gehört 2026 zur Grundausstattung: ein sekundärer Mail-Routing-Pfad über einen zweiten Provider, aktives Monitoring mit Alarmierung bei Zustellverzögerungen, und definierte Ausweichkanäle — Telefon, Teams oder Signal — für den Fall, dass die E-Mail eine Stunde lang schweigt.
Microsoft wird diesen Ausfall beheben — wie die vier vorherigen auch. Was sich nicht von selbst behebt: Fünf kritische Vorfälle in zwei Monaten sind zu viele für einen Dienst, auf den ein Großteil der europäischen Unternehmenskommunikation aufgebaut ist.


