Wer im Netz nach den „besten Smartphone-Kameras“ sucht, landet zuverlässig bei DXOMARK. Die französischen Tester veröffentlichen seit Jahren ein punktbasiertes Ranking, das auch in der deutschen Hardware-Presse als Referenz herhalten muss. Ich fotografiere privat seit der digitalen Spiegelreflex-Ära und schaue mir das Smartphone-Segment eher aus der Distanz an — und genau aus dieser Distanz fällt auf, dass die DXOMARK-Liste im Mai 2026 für deutsche Käufer ein praktisches Problem hat: Die meisten Spitzengeräte bekommt man hier kaum offiziell.
Wer aktuell oben steht
Die Top der globalen DXOMARK-Wertung sieht derzeit so aus:
- Platz 1: Huawei Pura 80 Ultra — 175 Punkte
- Platz 2: Vivo X300 Pro — 171 Punkte
- Platz 3 (geteilt): Oppo Find X8 Ultra und Apple iPhone 17 Pro / Pro Max — je 168 Punkte
- Platz 5 (geteilt): Xiaomi 17 Ultra und Oppo Find X9 Pro — je 166 Punkte
Samsungs aktuelles Top-Modell, das Galaxy S26 Ultra, landet mit 157 Punkten deutlich weiter unten. Als Außenseiter-Geschichte hat sich Motorola mit dem Signature-Modell in die Top 10 geschoben — nicht jeden Tag rutscht ein Lenovo-Tochter-Gerät an Pixel und Galaxy vorbei.
Das EU-Verfügbarkeitsproblem
Huawei-Smartphones gibt es in Deutschland seit dem US-Embargo nur noch mit eingeschränkten Google-Diensten — die Pura-80-Ultra-Reihe wird hier offiziell gar nicht angeboten. Vivo bringt seine Ultra-Modelle traditionell nur in China und einzelnen asiatischen Märkten heraus. Oppo Find X8 Ultra und Find X9 Pro sind ebenfalls nicht im offiziellen EU-Handel.
Wer in einem deutschen Elektronikmarkt steht und nach den DXOMARK-Top-Kameras sucht, findet damit von den ersten fünf Plätzen praktisch nur das iPhone 17 Pro Max. Mit Abstand folgt das Galaxy S26 Ultra. Das macht das Ranking nicht falsch, aber als Kaufberatung für den deutschen Markt mindestens unvollständig.
Wofür DXOMARK steht — und wofür nicht
Wer in den letzten Jahren mal in einer Foto-Community wie dpreview oder im einschlägigen Heise-Forum mitgelesen hat, kennt die Diskussion: Das DXOMARK-Bewertungssystem wird kritisch gesehen. Notebookcheck verwies bei der jüngsten Huawei-Spitzenposition explizit auf die wiederkehrenden Vorwürfe — von der konstanten Bevorzugung chinesischer Hersteller bis zur intransparenten Gewichtung der Teilkategorien. Die Testmethodik ist standardisiert und in vielen Punkten nachvollziehbar, aber ein 175er-Score sagt am Ende mehr darüber aus, wie ein Hersteller für die typischen Testszenarien optimiert hat, als darüber, ob im Familienalltag bessere Fotos rauskommen.
Brauchbar werden die DXOMARK-Daten erst beim Blick auf die Teil-Scores. Beim Vivo X300 Pro etwa erreicht der Video-Score 169 Punkte und liegt damit dicht hinter dem iPhone 17 Pro — interessant für alle, die mit dem Smartphone primär filmen. Beim Xiaomi 17 Ultra steht der Foto-Score bei 170 Punkten, während Video deutlich abfällt. Wer für einen bestimmten Anwendungsfall optimieren will, findet im DXOMARK-Datenblatt mehr verwertbare Information als in der nackten Gesamtwertung.
Was am Ende übrig bleibt
Die Lücke zwischen Platz 1 (Huawei, 175) und dem Galaxy S26 Ultra (157) ist in Punkten zweistellig, im konkreten Bildvergleich aber für die meisten Anwender kaum sichtbar. Wer in Deutschland eine DXOMARK-Top-Liste als Kaufberatung nutzen will, hat realistisch zwei ernsthafte Optionen: iPhone 17 Pro Max für die Apple-Welt, Galaxy S26 Ultra für Android. Beide spielen kameraseitig in der oberen Klasse. Die Frage, ob 168 oder 157 DXOMARK-Punkte den Unterschied machen, beantwortet man besser nicht über das Ranking, sondern über das eigene Nutzungsverhalten — also Telefoto-Bedarf, Video-Anteil, Workflow und am Ende: ob man wirklich öfter ein Smartphone in der Hand hat als eine richtige Kamera.



