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DoubleClick als Phishing-Sprungbrett: Malspam-Kampagne schleust DesckVB RAT durch den Filter

Huntress-Forscher haben eine Malspam-Kampagne dokumentiert, die Googles DoubleClick-Domain als vertrauenswürdigen Redirect-Zwischenstopp nutzt, um Sicherheitsfilter zu umgehen und am Zielrechner den DesckVB RAT zu installieren.

Rotes Vorhängeschloss auf einer Computertastatur als Symbolbild für E-Mail-Phishing und Malspam-Kampagnen

Sicherheitsfilter arbeiten mit Vertrauenslisten. Domains wie doubleclick.net stehen auf jeder dieser Listen — jahrelang aufgebaut, kaum je hinterfragt. Genau das macht sie zum attraktiven Hebel für Angreifer. Huntress-Forscher haben jetzt eine aktive Malspam-Kampagne dokumentiert, die diesen blinden Fleck systematisch ausnutzt: Mit einem manipulierten DoubleClick-Redirect als Zwischenstation landet am Ende der Infection Chain ein vollwertiger Remote-Access-Trojaner auf dem Zielsystem.

DoubleClick als Vertrauens-Leihgabe

Der Angriff beginnt klassisch: eine E-Mail mit HTML-Anhang, der eine vermeintliche Rechnung oder Bestellung imitiert. Der eigentlich interessante Teil steckt im Link, den diese HTML-Datei beim Öffnen aufruft — kein verdächtiger Hoster, sondern googleads.g.doubleclick.net. Über einen Base64-kodierten URL-Parameter leitet DoubleClick von dort auf die eigentliche Phishing-Seite weiter. Für den Sicherheitsfilter sieht es aus wie ein legitimer Werbe-Redirect von Google.

Auf der Phishing-Seite wartet ein personalisiertes Kit, das Firmennamen und Branding des Empfängers einblendet — offenbar aus öffentlich zugänglichen Informationen zusammengebaut. Der Nutzer wird zum Download eines ZIP-Archivs verleitet. Darin: eine JavaScript-Datei, die eine PowerShell-Stage nachlädt. Die PowerShell lädt einen .NET-Loader, der per Process Hollowing einen legitim wirkenden Windows-Prozess als Hülle nutzt und darin den DesckVB RAT injiziert.

Das Muster — vertrauenswürdige Domain als Redirect-Relay — ist nicht neu. CDN-Domains, Cloud-Storage-Buckets, GitHub Raw Content: alles schon als Sprungbrett missbraucht worden. DoubleClick ist nur die aktuell bequemste Variante, weil Googles Infrastruktur in quasi keiner Blockliste auftaucht und HTTPS-Zertifikate selbstverständlich dabei sind.

Was DesckVB auf dem System anrichtet

Ist der RAT einmal im Prozess verankert, arbeitet er sich systematisch durch die Windows-Verteidigungslinien. Er legt Ausnahmen im Windows Defender an, patcht AMSI (Antimalware Scan Interface) und ETW (Event Tracing for Windows) im laufenden Prozess — beides Mechanismen, auf die viele EDR-Lösungen aufbauen. Persistenz sichert er über Registry-Einträge und Startup-Ordner. Die Kommunikation läuft über eine TCP-basierte C2-Verbindung.

Bei einem meiner KMU-Kunden sah ich kürzlich genau diese Konstellation: Windows Defender als einziger Endpunktschutz, ausgehend keine Firewall-Filterung auf Applikationsebene. Die Annahme war, dass der Defender plus E-Mail-Filter ausreicht. Für Kampagnen, die über Google-Infrastruktur routen, ist das eine riskante Wette.

Huntress weist darauf hin, dass Defender-Ausnahmen über Gruppenrichtlinien (GPO) gesperrt werden können — Standardnutzer sollten diese nicht selbst setzen dürfen. Ergänzend empfehlen die Forscher DMARC, DKIM und SPF auf der E-Mail-Seite sowie Sandbox-Analyse für eingehende Anhänge. Die konkrete Analyse der Kampagne ist bei The Hacker News dokumentiert, die sich auf Huntress-Forschungsdaten stützt.

Einen einzelnen Patch für diesen Angriffsweg gibt es nicht — das ist das Unbequeme daran. Solange Redirect-Mechanismen legitimer Dienste offen sind, lassen sie sich als Tarnung missbrauchen. Die Abwehr steckt im Schichtensystem: restriktive Makro- und Script-Richtlinien, kein Defender-Tuning durch Standardnutzer, ausgehende Filterung auf Prozessebene. Wer nur auf Signatur-basierte Filter vertraut, darf sich über den nächsten vertrauenswürdigen Redirect nicht wundern.

◆ Über den Autor

Alexander Baumgärtner

Seit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan.net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.